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Rundgang Kapitol, Forum Romanum, Palatin

Von der Piazza Venezia aus bietet sich ein Besichtigungsrundgang über das Kapitol, das Forum Romanum und den Palatin an. Wir können hierzu den breiten Aufgang Michelangelos wählen, oder zunächst die große Freitreppe zur Kirche S. Maria in Aracoeli hochsteigen, die Kirche besichtigen und über den Seitenausgang der Kirche das Kapitol erreichen.

Santa Maria in Aracoeli

Piazza d´Aracoeli, Bus 44, 63, 70, 75, 81, 87, 95, 160, 170, 204, 628, 630, 715, 716, Mo-So 09:00-12:30 15:00-18:00, Tel: 06-679 81 55

Ist man die 124 Stufen der steilen Freitreppe hinaufgestiegen, so steht man vor der schmucklosen Fassade der Kirche Santa Maria in Aracoeli. Bevor wir die Kirche betreten sollten wir den Blick über die Piazza Venezia und das Stadtzentrum bis hinüber zum Petersdom genießen.

Hier an der höchsten Stelle des Kapitols stand in der Antike der Tempel der Juno Moneta. Auf seinen Grundmauern ist die Kirche errichtet. Kaiser Augustus hatte eine Prophezeiung, der zufolge er hier den Ara coeli den Altar für die eingeborene Göttin errichten ließ. Auf diesen Ara coeli geht der Name der Kirche zurück. Der alte Tempel muß bereits sehr früh in eine Kirche umgewandelt worden sein. Denn bereits im 6. Jahrhundert wurde diese als "alt" bezeichnet. 1250 gelangte die Kirche in den Besitz der Franziskaner, welche sie im romanisch gotischen Stil umbauten. Immer wieder erfüllte die Kirche auch weltliche Aufgaben. Sie diente zeitweilig als Versammlungsort der Senatoren, im Kampf gegen Heinrich VII war sie 1312 Stützpunkt des kaiserfeindlichen Adels, 1571 feierte Marcus Antonius Colonna hier den Sieg über die Türken.

Der Innenraum wird von zwei Reihen antiker Säulen, welche aus dem Tempel der Juno Moneta stammen, in drei Schiffe geteilt. Eindrucksvoll ist die Kosmatenarbeit des Fußbodens sowie die reich verzierte Kassettendecke. Die Decke wurde zur Erinnerung an den Seesieg bei Lepanto 1571 gestiftet.

Weiter sind beachtenswert die Fresken Pinturicchios in der Capella Bufalini (1485), das Grabmal des Papstes Honorius IV (1285-1287) und das des Luca Savelli im rechten Arm des Querschiffes, die byzantinische Madonna auf dem Hochaltar, das Grabmal des Kardinals Matteo d´Acquasparta von Giovanni di Cosma Anfang des 14. Jahrhunderts im linken Arm des Querschiffes.

Ebenfalls im linken Querschiffarm befindet sich die Capella di Santa Elena, in der die Asche der heiligen Helena, Mutter Konstantins, aufbewahrt wird. Schaut man durch den kleinen Spalt unterhalb der Urne, so blickt man auf einen darunter stehenden Altar. Dieser ist da errichtet, wo sich der Ara coeli des Augustus befunden haben soll. In einer kleinen Kapelle der Sakristei (Zugang vom Ende des linken Querschiffarmes) befindet sich das Santa Bambino. Zu Weihnachten wird es in der - ebenfalls im linken Querschiffarm befindlichen - Krippenkapelle ausgestellt. Es wird von Wundern berichtet, die sich bei der Berührung des Santa Bambino zugetragen haben sollen. Grund genug, daß das Santa Bambino Bittbriefe aus aller Welt empfängt.

Wir können die Kirche durch ihren Seitenausgang verlassen und kommen so direkt zur Piazza del Campidoglio.

Das Kapitol

Das Kapitol bildete die natürliche Festung Roms. Seine Besetzung durch die Römer war ein notwendiger Schritt zur Entwicklung Roms und zur Erhaltung seiner Existenz. Die strategisch günstige Lage des Kapitolinischen Hügels bildete ein Bollwerk gegen Fluß und Land: er beherrschte den Tiber auf der einen und, das Tal des Forum Romanums auf der anderen Seite. Diese Lage erlaubte den Römern, den Fluß jederzeit nach beiden Seiten zu überqueren und bot ihnen gleichzeitig die Möglichkeit, sich auf ihm als dem natürlichen Verbindungsweg zum Meer zu bewegen. Latiner, Sabiner, Etrusker, sie alle mußten sich wohl oder übel dieser neuen aufstrebenden Macht beugen.

Der Hügel besaß zwei Erhebungen, einen nach Norden und einen nach Süden, mit einer Vertiefung dazwischen. Die nördliche Erhebung bildete seit den frühesten Anfängen Roms eine perfekte Festung, die Arx; einen steil abfallenden Felshang. Die südliche Seite hieß Capitolinum und verdankte ihren Namen wahrscheinlich dem Fund eines größeren menschlichen Schädels (caput). Die Vertiefung zwischen den beiden Erhebungen hieß Asylum.

Auf dem Capitolinum erhob sich das wichtigste Bauwerk: der Tempel der kapitolinischen Trias, der Tempel des Jupiter Optimus Maximus. Aus diesem Grund war der Hügel ständig Ziel aller Angriffe. Er wurde mehrmals durch Brand zerstört und danach jedesmal noch prächtiger und größer als zuvor aufgebaut. Es scheint, daß der älteste Tempel unter Tarquinius Priscus begonnen und unter Tarquinius Superbus vollendet wurde. Jedenfalls wurde er, wie uns der Geschichtsschreiber Livius berichtet, im Jahre 509 v. Chr., dem ersten Jahr der Republik Rom, eingeweiht. Wie die etruskischen Tempel hatte auch dieser drei Cellae, d. h. Innenräume. Die Wände und die Säulen waren aus Tuffstein, das Dach mit Holz und mit gebrannten Ziegeln gedeckt. In der mittleren Cella befand sich eine Terracotta-Statue des Jupiter, ein Werk des Vulga, eines großen Künstlers aus der etruskischen Stadt Veji. In den Seitenkammern standen dementsprechend die Statuen von Juno und Minerva. Die Statue des Jupiter hielt den symbolischen Blitz in der rechten Hand. Das Antlitz war rot bemalt und er war mit kostbaren Stoffen bekleidet.

Im Tempel wurden Zeugnisse zahlreicher Siege sowie Votivgaben aufbewahrt. Der Tempel wurde oftmals erneuert: unter Silla 83 v. Chr., unter Augustus 26 v. Chr., unter Vespasian 75 n. Chr., und unter Domitian 82 n. Chr. Bei der letzten Restaurierung erhielt der Tempel eine Jupiterstatue aus Gold und Elfenbein, ähnlich wie die Statue des olympischen Zeus. Der Tempel war ganz mit Marmor verkleidet, um ihn vor weiteren Bränden zu bewahren. Auf dem Giebel waren die acroteria, die Giebelverzierungen angebracht: in der Mitte die Bronzequadriga des Jupiter, an den Seiten die der Minerva und des Mars. Die Säulen waren aus weißem pentelischem Marmor, das Dach mit vergoldeten Bronzeziegeln gedeckt und die Türen mit Blattgold überzogen. Dieses kostbare Material wurden von den Horden der Gotenkönige abgeschleppt. Im Konservatorenpalast (Kapitolinisches Museum) , der heute den Platz des Jupitertempels einnimmt, kann man jetzt nur noch die großartigen Rest der Stylobaten, der Säulenbasen sowie Säulenfragmente bewundern.

Die südlichste Spitze des Kapitols bildet der Terpeiische Felsen (Rupe Terpeia). Er ist benannt nach Terpeia der Tochter des Spurius Terpeius. Tarpeia wurde nach dem Raub der Sabinerinnen von den Sabinern bestochen, ihnen Zugang zum Kapitol zu gewähren. Doch als diese das Kapitol betreten hatten, stürzten sie ihre Komplizin den Felsen hinunter. Zwar konnten die Sabinerinnen die verfeindeten Gruppen besänftigen, doch fortan wurde Verräter den Tarpeiischen Felsen hinab gestürzt.

Auf dem Nordhügel über dem Felsen erhob sich der sehr alte Tempel der Juno Moneta (244 v. Chr.). Hier beim Tempel der Juno Moneta befand sich auch die staatliche Münzpräge. Daher rührt der Ausdruck Moneten für Geld. Heute befindet sich an der Stelle des Tempels die Kirche Santa Maria in Aracoeli.

Das Kapitol war Symbol und Bewacher der religiösen und politischen Kräfte Roms. Heute ist es dank der genialen Anordnung Michelangelos und seiner Nachfolger wieder aus den Ruinen erstanden und es braucht seiner glorreichen Vergangenheit nicht nachzutrauern. Der Platz in dessen Mitte sich das majestätische Reiterstandbild des Mark Aurel erhebt, und die Paläste, die ihn einrahmen bilden eine Oase perfekter Architektur, deren Schönheit im Laufe der Zeit nur noch zunehmen kann.

Zur Besichtigung steigen wir die breite, von Michelangelo angelegte, Rampe empor. Auf halber Höhe steht links die Statue des Cola di Rienzi. Dieser päpstliche Notar versuchte zur Zeit der Babylonischen Gefangenschaft (als die Päpste in Avignon residierten) zweimal eine römische Stadtrepublik mit dem Ziel der Einigung Italiens zu gründen. Der erste Versuch (1347) scheiterte an dem Widerstand des römischen Adels, der zweite (1354) sollte schließlich zur Ermordung Cola di Rienzis führen. Eingerahmt wird die Rampe von den Kolossalstatuen der beiden Dioskuren Kastor und Pollux aus der späten römischen Kaiserzeit.

Wir stehen jetzt auf der Piazza del Campidoglio. In der Mitte des Platzes wurde das Reiterstandbild des Marcus Aurelius aufgestellt. Lange Zeit galt es als ein Standbild des Konstantins, weshalb es im Gegensatz zu vielen anderen heidnischen Standbildern nicht zerstört wurde. Bereits 1538 wurde das Standbild von der Piazza di San Giovanni in Laterano hierher gebracht. Gerade vor uns der Palazzo Senatorio, das heutige Rathaus Roms. Er steht auf den Fundamenten des antiken Tabulariums, des Staatsarchivs. Die Rampentreppe wurde von Michelangelo gestaltet. Der Brunnen zeigt die Göttin Roma mit den Personifikationen des Tiber und des Nil. Der Glockenturm wurde 1578 bis 1582 von Martino Longhi ergänzt. Links der Palazzo Nuovo (1650), rechts der Palazzo dei Conservatori (1564 bis 1575 nach Entwürfen Michelangelos erbaut).

Die kapitolinischen Museen

Musei Capitolini, Piazza del Campidoglio, Bus 63, 70, 75, 81, 87, 95, 160, 170, 204, 628, 716, Di-So 09:00-20:00, Tel: 06-39 96 78 00

In dem Palazzo Nuovo und dem Palazzo dei Conservatori befindet sich das älteste öffentliche Museum der Welt, das Kapitolinische Museum. Papst Sixtus IV war es, der im Jahre 1471 - wie die Gedenktafel sagt - mehrere außergewöhnlich wertvolle Bronzestatuen dem römischen Volk, das sie einst erschuf, zurückgab. Diese Statuen waren: die kapitolinische Wölfin; Camillus der Dornauszieher; der sogenannte Kopf des Domitian, der sich später als Kopf des Konstantin herausstellte. Im Jahre 1566 schenkte Papst Pius V dem Museum dreißig Statuen aus dem Vatikan, später noch weitere. Im Jahre 1714 übergab Clemens XI dem Kapitol fünf ägyptische Statuen, die in der Nähe der Porta Salaria gefunden worden waren. Das Jahr 1733 war sehr wichtig für das Kapitolinische Museum, denn in diesem Jahr wurde die Sammlung des Kardinals Alessandro Albani aufgekauft. Diese erhielt die Portraits, die sich heute im Sala degli Imperatori und Sala die Filosofi befinden. Unter Papst Clemens XII erhielt das Museum eines seiner Meisterwerke, nämlich den sterbenden Gallier. Dank Papst Benedikt XIV wurde die Gemäldegalerie eröffnet. Im Jahre 1750 wurde die kapitolinische Venus erworben, im Jahre 1765 das Mosaik mit den Tauben sowie zwei Zentauren aus grauem Marmor aus der Villa Hadriana. Im Jahre 1734 wurde das Museum für das Publikum geöffnet und seitdem sind seine Sammlungen stets erweitert worden. Alle ausgestellten Exponate stammen aus dem Zentrum Roms selbst.

Wenn wir links am Senatorenpalast vorbeigehen, kommen wir an einer Kopie der kapitolinischen Wölfin vorbei und gelangen über die Via di San Pietro in Carcare und die Via della Curia zum Forum Romanum. Doch zunächst sollte man von hier oben den Überblick über das gesamte Gebiet des Forums -vom Septimus Severus Bogen im Vordergrund bis hin zum Titusbogen und zum Colosseum genießen.

Bevor wir durch einen der zahlreichen Zugänge das Forum Romanum betreten, wollen wir den Mamertinischen Kerker (Carcer Mamertinus) besichtigen. Es handelt sich hierbei um ein ca. 300 v. Chr. angelegtes römisches Staatsgefängnis, das aus zwei übereinander liegenden Räumen besteht. Der obere diente als Gefängniszelle, der untere als Hinrichtungsstätte mit direktem Zugang zur Cloaca maxima, zur Entsorgung der Leichen. Nach der Legende waren hier auch die Apostel Petrus und Paulus gefangen gehalten. Aus diesem Grund wurde im 16. Jahrhundert die Kirche San Pietro in Carcare errichtet.

Forum Romanum

Eingänge: Largo Romolo e Remo, Via del Foro Romano, Titusbogen, Metro Linea B, Stazione Colosseo, Bus 85, 87, 117, 175, 186, 810, 850, Tram 3, Mo-So 09:00-eine Stunde vor Sonnenuntergang, Tel: 06-39 96 77 00

Mit dem Bau der Cloaca maxima eines groß angelegten Entwässerrungssystemes konnte bereits zur Zeit der etruskischen Herrschaft, zur Zeit der Tarquinier Dynastie das sumpfige Tal zwischen Palatin, Kapitol und Esquilin trocken gelegt werden. Hier entstand ein Versammlungsplatz für die Bevölkerung der angrenzenden Hügel. Das kleine Tal wurde ganz allmählich zum religiösen wie politischen und auch wirtschaftlichen Zentrum des antiken Rom. Das Forum Romanum war entstanden.

Prozessionen, Triumphzüge, Versammlungen, Parteikundgebungen, Prozesse fanden hier statt. Das Forum Romanum war der pulsierende Mittelpunkt des republikanischen Roms. Seinen monumentalen Charakter erhielt erst in der Kaiserzeit. Angefangen unter Caesar, aber auch unter Augustus und Tiberius. Ein Versammlungsort für politische Kundgebungen und Wahlveranstaltungen wurde nach dem Ende der Republik nicht mehr benötigt. Das Kaiserreich brauchte Monumente, Denkmäler, die nach und nach hier errichtet wurden.

Hier auf dem Forum, zwischen den heutigen Ruinen der antiken Bauwerke bestimmten und lenkten Männer wie Sulla, Cato, Caesar, Augustus, Tiberius , Cicero und viele andere die Geschicke Roms, ja die Geschicke des römischen Weltreiches. Zur Besichtigung begeben wir uns bis dicht an den Abhang des Kapitols und wenden nun dem Kapitol den Rücken zu. Direkt links vor uns steht der Bogen des Septimus Severus.

Bogen des Septimus Severus

Dieser dreibogige Triumphbogen zu Ehren des Kaisers Septimus Severus zeigt Reliefs über dessen Siege und Feldzüge. Der Septimus Severus Bogen bildete gewissermaßen den Abschluß der Via sacra zum Kapitol hin. Die Triumphzüge, welche über die Via sacra herankamen, passierten den Septimus Severus Bogen, um dann am Kapitol, vor dem Tempel des Jupiter zu enden.

Tempel des Saturn

Von diesem gewaltigen Tempel, in welchem der Staatsschatz aufbewahrt wurde, sind nur die acht Granitsäulen zu unserer Rechten geblieben.

Phokassäule

Der Platz, der zwischen dem Septimus Severus Bogen und dem Saturntempel beginnt, war das eigentliche Forum, der Markt- und Versammlungsplatz. Dominiert wird dieser Platz heute durch die Phokassäule. Sie wurde erst im Jahre 608 n. Chr. zu Ehren des byzantinischen Kaiser Phokas aufgestellt. Die 14 Meter hohe Säule stammte aus einem älteren Gebäude. Das verloren gegangene Bildnis des Kaisers auf ihrer Spitze machte sie zur Gedenksäule. Die Phokassäule ist das letzte Monument, das auf dem Forum Romanum aufgestellt wurde. Gleich zu Anfang des freien Platzes befindet sich die Rednertribüne, die Rostra.

Rostra

Die Rostra war die Tribüne von der aus die Politiker ihre Reden hielten. Sie wurde so genannt, weil die Außenseite mit sechs bronzenen Schiffschnäbeln geschmückt war, welche die Römer auf den Schiffen in Antium während des Latinischen Krieges (338 v. Chr.) erobert hatten. Es ist bekannt, daß sie mit Säulen und Ehrenstatuen (Relief am Konstantinsbogen) dekoriert war. Die heutige Anordnung der Rostra stammt von Julius Cäsar, der sie in einer Achse mit dem Platz und der Julischen und der Aemilianischen Basilica aufstellen ließ. Außer der Rostra existierten noch zwei weitere Rednertribünen für politische Ansprachen auf dem Forum, eine vor dem Castor- und Pollux- Tempel und eine vor dem Tempel des Julius Cäsar.

Curia

Links hinter dem Septimus Severus Bogen befindet sich das politisch bedeutendste Gebäude des Forum Romanum, die Curia. Die Ursprünge der Kurie reichen zeitlich sehr weit zurück. Laut Überlieferung stammt sie bereits von Tullus Hostilius, dem dritten König Roms. Sie wurde mehrere Male zerstört und wiederaufgebaut. Julius Cäsar ließ sie gänzlich neu errichten, versetzte sie in die Nähe des alten Comitium und veränderte so auch ihre Lage. Der Backsteinbau, den wir heute vor uns sehen, stammt aus der Zeit des Diokletian (303 n. Chr.). Die Bronzetüren wurden durch Papst Alexander VII. entfernt und in das Hauptportal der Basilika S. Giovanni in Laterano eingesetzt. Das Innere der Kurie ist rechteckig (27 x 18 m.), die Wände waren bis zu einer bestimmten Höhe mit Marmorplatten verkleidet. Oberhalb der Marmorverkleidung befanden sich an jeder Seite drei Nischen mit kleinen Alabastersäulen. An den Seiten kann man noch jetzt die Stufen sehen, auf denen die hölzernen Sitze der Senatoren standen (ungefähr 300). Der Fußboden hatte Einlegearbeiten aus Marmor, Porphyr und Serpentinstein. Vor dem Eingang muß sich ein Altar befunden haben, auf dem die Senatoren opferten, bevor sie den Raum betraten. Auf der dem Eingang gegenüberliegenden Seite gab es ein Podium für den Präsidenten und auf diesem stand an der Wand das Standbild der Viktoria. Die Kurie, der Sitz des römischen Senats bildete den Schauplatz für die wichtigsten Ereignisse in der Geschichte Roms.

Comitium

Das Comitium, ein Gelände zwischen der Kurie, dem Septimus Severus Bogen und dem Lapis Niger war ein heiliger Bezirk von der Bedeutung eines Tempels. Hier fanden die Versammlungen zur Wahl der Volksvertreter statt, sowie Protestdemonstrationen gegen die vom Senat ausgeübte Macht. Die vielen Rekonstruktionen, die das Comitium während der verschiedenen Epochen erfuhr, erschweren es, seinen genauen Standort und sein ursprüngliches Aussehen festzustellen. Wie auch immer: das Comitium und die Kurie verkörpern die tiefe Bedeutung, die sich hinter den Buchstaben SPQR verbirgt: Senatus Populusque Romanus (der Senat und das Volk von Rom).

An den Längsseiten des Forums standen die beiden Basiliken: die Julische im Süden (rechts) und die Aemilianische im Norden (links).

Basilica Julia

Die Basilica Julia wurde unter Julius Cäsar im Jahre 54 v. Chr. begonnen; auf dem rechteckigen Sockel erhoben sich zwei übereinanderlegende Galerien. Die Fassade zur Via Sacra hatte einen zweigeschossigen Portikus mit Rundbogen und halbrunden Säulen an den Pilastern. Nachdem die Basilica zum erstenmal Opfer eines Brandes geworden war, wurde sie von Augustus (12 n. Chr.) vergrößert wieder aufgebaut. Nach einem zweiten Brand unter Carinus (248 n. Chr.) ließ sie Diokletian (303 n. Chr.) restaurieren. Dann wurde sie noch einmal durch die Goten unter Alarich zerstört, und nichts als der Fußboden blieb erhalten. Die Basilika Julia war Sitz der Verwaltung und der Justiz und diente als öffentlicher Versammlungsort.

Basilica Aemilia

Die Basilica Aemilia wurde im Jahre 179 V. Chr. von den Konsuln M. Aemilius Lepidus und Fulvius Nobilio erbaut. Sie wurde mehrere Male zerstört und wieder aufgebaut: 14 v. Chr., 22 n. Chr. und zuletzt durch die Goten unter Alarich im Jahre 410 n. Chr.

Es war ein prachtvoller, reich mit Marmor geschmückter Bau mit einem zweigeschossigen Portikus im tuskischen Stil an der Eingangsseite, der mit Friesen, Triglyphen und Metopen verziert war. Unter dem Portikus befanden sich zwölf Tavernen, jeweils sechs zu beiden Seiten des Haupteinganges. Hinter den Tavernen befand sich die große Aula der Basilika, von Marmorsäulen in vier Schiffe geteilt. Das erste Schiff war fünf Meter breit, dann folgte das Hauptschiff mit zwölf Metern Breite und 80 Metern Länge, dann folgten zwei Nebenschiffe, mit denen die Basilika an das Forum des Nerva angrenzte. Auf der Nordseite, die an der Via Argileta lag, welche die Basilika von der Kurie trennte, muß sich eine Tür mit seitlichen Säulen auf Sockeln und dorischem Architrav mit Triglyphen und Bukranen (Stierkopfmotiven) befunden haben. Einige Wissenschaftler glauben, daß diese Stierköpfe dem ganzen umliegenden Bezirk den Namen Campo Vaccino (d. i. Stierfeld) verliehen haben, einen Namen, der sich bis zum vorigen Jahrhundert dort erhalten hat. Andere dagegen meinen, daß dieser volkstümliche Name einfach daher kam, daß man auf den Ruinen des Forums vor den Ausgrabungen den Viehmarkt abhielt. In der Basilika Aemilia wurde der Staatsschatz aufbewahrt. Vom Überfall der Goten im Jahre 410 n. Chr. sind nur noch einige Flecken Grünspan auf dem Boden geblieben, die geschmolzenen Kupfermünzen.

Via Sacra

Vor der Basilica Aemilia verlief die Via Sacra, die heilige Straße. Sie erstreckte sich über ,das ganze Forum, vom Titusbogen bis zum Tempel des Saturn, und es war die erste und wichtigste Straße der Stadt. Über sie zogen die religiösen und politischen Prozessionen zum Clivus Capitolinus, um zum Tempel des Jupiter Optimus Maximus auf dem Kapitol zu gelangen.

Auf der Südostseite verliehen drei Tempel, die in gewissem Sinn dem Forum seinen religiösen Aspekt gaben, dem Platz ein monumentales Aussehen: es waren der Castor- und Pollux Tempel (rechts), der Tempel des Julius Cäsar (in der Mitte des Platzes) und der Tempel der Vesta (Am Durchgang zwischen Castor und Pollux Tempel und Cäsar Tempel gelegen).

Der Tempel der Dioskuren Castor und Pollux

Der Tempel der Dioskuren (Castor und Pollux) wurde am 1. Januar des Jahr 484 v. Chr. eingeweiht; in den darauffolgenden Epochen wurde er immer wieder restauriert. Seine heutigen Überreste, drei wunderschöne Säulen mit einem Gebälk darüber stammten aus der Zeit des Tiberius (1. nachchristliches Jahrhundert). Dieser Tempel ist mit der Geburt der römischen Republik gleichzusetzen. Er stand in der Nähe der Juturnaquelle, wo laut der uns von Plutarch überlieferten Sage, Castor und Pollux beritten erschienen, um den Römern den Sieg zu verkünden, den das Volk gegen den letzten König Roms am Regillo-See errungen hatte. Der von Tiberius wiedererrichtete Tempel stand auf einem hohen Sockel mit marmorverkleideten Stufen an der Eingangsseite. Es war ein Peripteros im Oktastil (acht Säulen an der Vorderseite). Im Pronaos befand sich eine mensa ponderaria, eine Eichstelle für Maße und Gewichte, die wahrscheinlich den Geldwechslern und Edelmetallhändlern von der Summa Via Sacra diente. Im Tempel standen die Statuen von Castor und Pollux, die seit der Zeit, als ihnen dieser Tempel geweiht wurde, als Schutzgötter der Freiheit Roms galten. Der Tempel wurde durch den Vicus Tuscus, der das Forum mit dem Circus Maximus verband, von der Basilica Julia getrennt.

Vesta Tempel

Der Tempel der Vesta, der nur wenige Meter hinter dem Dioskurentempel lag, war einer der ältesten auf dem Forum und wurde wahrscheinlich von Numa Pompilia selbst, dem zweiten König Roms und Begründer des Vestakultes, gebaut. In diesem Tempel, dem wichtigsten auf dem Forum und in der ganzen Stadt, wurde von den Vestalinnen das heilige Feuer, das Symbol des Lebens der Stadt; bewacht, das aus diesem Grunde nie erlöschen durfte. . Der Tempel war rund und hatte, ähnlich wie die primitiven Hütten, oben eine Öffnung. Er erhob sich auf einem quadratischen Fundament, das an das Haus der Vestalinnen angrenzte. Durch eine kleine Gasse, dem Vicus Vestae, die von der Via Sacra abging, wurde er von der Regia, der Residenz des Pontifex Maximus getrennt. Der Tempel, dessen sehr bescheidene Ruinen wir heute vor uns sehen, gehört in die Zeit der letzten Restaurierung, oder besser Rekonstruktion, die Julia Domnia, die Gattin des Kaisers Septimus Severus gegen das Jahr 204 n. Chr. vornehmen ließ. Der Pontifex Maximus galt als das geistige Oberhaupt der Vestalinnen, hatte aber gleichzeitig an der Ausübung des Kultes nicht teil. Dieser war ausschließlich die Aufgabe der sechs Vestalinnen, jungen Mädchen, die den vornehmsten Familien der Stadt entstammten. Diese Frauen mußten ein Keuschheitsgelübde ablegen und ihren Dienst dreißig Jahre lang verrichten. Die Priesterinnen der Vesta genossen zahlreiche Privilegien, die Strafen jedoch, die sie für die Vernachlässigung ihrer Pflicht oder ein gebrochenes Gelübde erwarteten, waren überaus hart: sie wurden lebendig begraben.

Ausführlich beschreibt Plutarch uns das tragische Ende einer zum Tode verurteilten Vestalin: "Die unselige Schuldige wird auf einem Leichenwagen, auf dem sie mit Lederriemen festgeschnallt ist, über das Forum, den Vicus Longus und die Alta Semita bis zur Porta Collina gefahren. Die Menschenmenge öffnet sich schweigend, um die Begräbnisprozession durchzulassen; kein Wort ist zu vernehmen, nicht der geringste Klagelaut. Stille Tränen rinnen aus den Augen der Zuschauer. Die ganze Stadt bebt vor Schrecken und schmerzlicher Trauer. Zuletzt kommt der Trauerzug zu einer geöffneten Krypta, der Oberpriester streckt die Arme zu den Göttern empor und die unselige Schuldbeladene steigt mittels einer Leiter hinunter ins Grab. Kaum ist sie unten angelangt, wird die Leiter heraufgezogen, die Öffnung wird mit einem großen Stein verschlossen und ein großer Haufen Erde wird darüber aufgeschüttet, bis jede Spur dieses tragischen Ortes verwischt ist".

Tempel des Cäsar

An der Südostseite schließlich befand sich der Tempel. des Julius Cäsar. Von ihm ist uns nur der zementierte Unterbau erhalten geblieben, d. h. die Struktur des Sockels. Verschwunden ist hingegen der ganze architektonische Oberbau. Dieser hatte einen sechssäuligen Pronaos im Ionischen Stil. Der Sockel hatte nicht, wie sonst allgemein üblich, Stufen, sondern eine vor den Säulen verlaufende Wand, die als Rednertribüne (Rostra Nova) benutzt wurde. An dieser Wand waren die Rostrae angebracht, die Augustus von den Schiffen der Kleopatra und des Antonius nach der berühmten Schlacht bei Actium (31 v. Chr.) hatte abschlagen lassen. Die Überreste, die man heute noch in der Mitte der Nische des Sockels sehen kann, sind laut neuesten Studien mit dem Altar des Julius Cäsar identisch. Hier hielt Antonius seine berühmte Leichenrede für Cäsar.

Zwischen dem Tempel der Dioskuren und dem des Julius Cäsar erhob sich am Beginn des Vicus Vestae, in der Funktion eines Monumentaleingangs der Augustus Bogen mit drei Rundbögen, einem breiten und zwei engeren. Oben auf ihm standen zwei Soldatenstatuen und eine Quadriga. In den Rundbögen waren die Fasti Consolari aufgestellt, die sich heute im Kapitolinischen Museum befinden. Wir wissen, daß dieser Triumpfbogen im Jahre 29 v. Chr. eingeweiht wurde aus Anlaß des Sieges bei Actium (31 v. Chr.).

Weiter in Richtung Titisbogen liegt auf der linken Seite der Tempel des Antoninus Pius und der Faustina.

Tempel des Antoninus Pius und der Faustina

Dieser Tempel wurde nach dem Tod der Faustina (141 n. Chr.), der Gattin des Kaisers Antoninus Pius errichtet. Es blieb nur der Unterbau und die 17 Meter hohen Säulen der Vorhalle erhalten. Bereits im Mittelalter wurde die Cella des Tempels in die Kirche S. Lorenzo in Miranda umgebaut.

Weiter auf dem Weg Richtung Titusbogen folgt der Tempel des Romolus.

Tempel des Romolus

Von diesem Tempel weiß man eigentlich nicht genau, ob er dem Romolus, dem Sohnes des Maxentius errichtet wurde, oder aber nur als Vorhalle für den dahinter liegenden Tempel der Stadt Rom errichtet wurde. Beachtlich ist jedenfalls, daß der Tempel noch seine antike Bronzetür besitzt, mit noch funktionierendem Schloß.

Nach dem Tempel des Romolus folgen die monumentalen Überreste der Maxentius Basilika oder Konstantin Basilika.

Maxentius Basilika (Konstantin Basilika)

Mit dem Bau dieser gewaltigen Basilika wurde unter Maxentius im Jahre 306 n. Chr. begonnen. Der mächtige dreischiffige Bau wurde 312 n. Chr. von Konstantin nach dessen Sieg über Maxentius an der Milvischen Brücke vollendet. Die heute noch stehenden Überreste waren lediglich Teil des nördlichen Seitenschiffes. Aufgrund der Gewölbekonstruktion (Tonnengewölbe der Seitenschiffe, Kreuzgewölbe des Hauptschiffes) kann die Konstantins Basilika als der triumphale Abschluß der römischen Baukunst gelten. Die Gewölbe und Pfeilerkonstruktionen wurden von der christlich abendländischen Baukunst übernommen. In der Renaissance bediente man sich gerne der zweigeschossigen Arkadenkonstruktion wie sie bereits im nördlichen Seitenschiff der Basilika zu finden ist. Die einzige erhalten gebliebene Säule steht heute als Mariensäule auf der Piazza Santa Maria Maggiore. In der Westapsis der Basilika stand die Kolossalstatue des Konstantin, deren Kopf sich heute im Konservatorenpalast auf dem Kapitol befindet.

Titusbogen

Am Titusbogen endet das eigentliche Forum Romanum. Der Triumphbogen wurde 81 n. Chr. zu Ehren des Kaiser Titus zum Gedenken seines Sieges über die Juden und die Zerstörung Jerusalems im Jahre 70 n. Chr. errichtet. Der architektonisch ausgewogene Bogen wird geschmückt von Reliefs die sich mit dem Sieg über Jerusalem befassen, unter anderem dem Abtransport des sieben armigen Leuchters.

Tempel der Venus und der Roma

In Richtung des Colosseums folgen die Reste des Tempels der Venus und der Roma. Dieser Doppeltempel, von dem wirklich nur kärgliche Reste geblieben sind, war einer der größten Tempel Roms. Die beiden Tempel stießen mit den Cellae aneinander, wurden 136 n. Chr. fertiggestellt und bedeckten eine Fläche von 110 x 53 Metern. 1935 wurden die erhaltenen Säulenfragmente wieder aufgestellt und versucht, die fehlenden Mauern und Säulen durch entsprechende Bepflanzung anzudeuten.

Bevor wir das Colosseum erreichen, treffen wir auf den halbrechts stehenden Konstantinsbogen.

Konstantinsbogen

Es handelt sich hierbei um einen dreibogigen Triumphbogen, ähnlich dem Septimus Severus Bogen. Der Bogen wurde 312 bis 315 n. Chr. vom römischen Senat zu Ehren Konstantins errichtet. Die Reliefs, welche den Bogen schmücken, sind zum Teil erheblich älter, wurden sie doch anderen Bauwerken entnommen.

Wir können hier den Rundgang beenden. Zur Rückfahrt eignet sich die Metropolitana Linea B (Station Colosseo) zur Stazione Termini oder zur Stazione Ostiense oder die Busse 60. 85, 87, 175, 186 zur Piazza Venezia. Oder wir schließen den Rundgang Fori Imperiali, Colosseum in umgekehrter Reihenfolge an, oder wir schließen den Spaziergang Colosseum zur Porta Maggiore an. Wir können auch mit der Metropolitana Linea B eine Station bis Circo Massimo fahren und dann den Rundgang Aventin in umgekehrter Reihenfolge anschließen. Schließlich können wir auch vor verlassen des Forum Romanums noch den Palatin besichtigen.

Palatin

Palatin hieß der Hügel auf dem die Stadt Rom, die Urbs quadrata entstand. Auf diesem Hügel können wir die ältesten Spuren, die mit den Ursprüngen Roms identisch sind, finden. Tatsächlich bestätigt einer Reihe, auf der Südseite des Hügels aufgefundener Häuserfundamente die Überlieferung, daß Rom im Jahre 753 v. Chr. auf diesem Hügel gegründet wurde. Der Grundriß dieser Häuser war rechteckig, die Ecken waren abgerundet, und die Mauern und die Dacheindeckung müssen aus Baumstämmen und Zweigen mit einer Auflage aus getrocknetem Lehm bestanden haben. Während der Kaiserzeit wurde eine dieser Hütten besonders gepflegt, weil man annahm, daß sie den Gründer Roms, Romolus, beherbergt habe (Tugurium Romuli). Die Wahl der primitiven Völker fiel auf diesen Hügel wegen seiner besonderen Lage. Er lag 50 Meter über dem Meeresspiegel und 40 Meter über dem Tiber, und bildete so einen leicht zu verteidigenden Zufluchtsort. Der Hügel bestand aus drei Erhebungen, dem Palatin im Südosten gegen den Circus Maximus, dem Germalus im Westen gegen das Velabrum und dem Velia im Osten gegen das Kolosseum. Von der republikanischen bis zur kaiserlichen Zeit blieb der Palatin immer der Wohnort der reichsten und vornehmsten Familien Roms. Wir wissen, daß dort auch die großen Rivalen Cicero und Hortensius, der berühmte Crassus, Catilinia, Claudius und viele andere Berühmtheiten wohnten. Augustus wurde im Jahre 63 v. Chr. auf dem Palatin geboren, und das war vielleicht einer der wesentlichen Faktoren für die bauliche Entwicklung, die während der Kaiserzeit hier stattfand und zur Nivellierung der drei Erhebungen führte. Als Augustus Kaiser wurde, kaufte er das durchaus bescheidene Haus des Hortensius. Aber erst nach seinem Sieg bei Actium (31 v. Chr.) beschloß der Kaiser, sich einen seiner Größe angemessenen Wohnsitz errichten zu lassen. Zu diesem Zweck mußte das umliegende Gelände enteignet werden. Die feierliche Weihe des Hauses erfolgte am 14. Januar des Jahres 26 v. Chr. Leider ging dieses neue Haus aber durch eine Brand im Jahre 3 n. Chr. verloren. Als man in den Provinzen des Kaisers von dieser Neuigkeit erfuhr, wurde mit einer Sammlung bei allen Bevölkerungsschichten eine unglaublich hohe Geldsumme aufgebracht. Obwohl Augustus nur ein Geldstück von jedem seiner Steuerzahler annahm, ergab das zweifellos eine große Summe. So entstand über den Ruinen eine neue und prunkvolle Residenz. Die Arbeiten wurden auch nach dem Tod von Augustus (14. n. Chr.) weitergeführt. Tiberius ließ einen neuen Flügel anfügen, die Domus Tiberiana, der sich zum Velabrum hin erstreckte. Caligula veränderte den Grundriß, um den notwendigen Platz für seinen Palast zu schaffen, zwischen dem Domus Tiberianus und dem Forum Romanum. Claudius und Nero bauten weiter auf der Südostseite des Hügels, wo später das Kolosseum entstand. Doch Domitian ließ sich den prunkvollsten Wohnsitz, die Domus Augustana als Residenz für Kaiser und Hofstaat errichten. Trajan setzte die Bautätigkeit auf dem Palatin fort, indem er die Bauten erweitern und vergrößern ließ. Septimus Severus verschönte die Südseite des Hügels mit künstlerischen Bauten, so z.B. mit einer Reihe großer Bogengänge, er schuf Thermen und eine Loge, wo er den Spielen auf dem Circus Maximus zuschauen konnte.

Heute kann man sich aus dem, was übriggeblieben ist, schwer vorstellen, wie zahlreich die Wohnungen, Terrassen, Säulengänge, Innenhöfe und Salons dort waren. Jeder Kaiser ließ verändern, erweitern, abreißen und wieder aufrichten, was seine Vorgänger geschaffen hatten. Entgegen den Bezeugungen Suetons ist es sicher, daß das Haus der Livia die Wohnung des Kaisers Augustus war. Man kann davon noch das große Atrium, das Triclinium und die Alae sehen. Hier kann man übrigens auch die Malereien des sogenannten zweiten Stils bewundern, große Wandgemälde mit Figuren, Landschaften, perspektivischen Spielereien und Girlanden. Wir wissen aber, daß die bedeutendsten Bauwerke des Augustus der Apollo Tempel, die Säulengänge und die Bibliotheken waren.

Der Eingang zum Domus publica des Augustus, d.i. der Apollo-Tempel, bestand aus einem einfachen Bogen, auf dem sich eines der Meisterwerke des Lysias erhob: eine Quadriga., die von Apollo und Diana gelenkt wurde. Sie war aus einem einzigen Marmorblock gemeißelt. Danach folgte ein langer rechteckiger Peristyl, mit weißem Marmorfußboden, und von goldgelben Säulen umrahmt. Hier standen die Statuen der Danaiden und ihrer Väter. Man fand viele Fragmente davon bei den Ausgrabungen vor dreihundert Jahren. Dann kamen die griechischen und lateinischen Bibliotheken. Zwischen ihnen lag ein großer Leseraum, in dessen Mitte eine Statue des Kaisers mit den Attributen des Apollo stand. Wir wissen, daß die Bibliotheken des Augustus Bücher über bürgerliches Recht sowie über die freien Künste enthielten. In der Mitte des Quadriportikus, zwischen den Bibliotheken und dem Säulengang, stand der Apollo Tempel aus Carraramarmor. Die Tür des Tempels war mit Basreliefs aus Elfenbein geschmückt, die auf der einen Seite das tragische Ende der Niobiden und auf der anderen die Vertreibung der Galater aus Delphi darstellten. Auf dem Sockel stand der Apollo - Wagen aus Bronze, im Innern die Statuen des Apollo, ein Werk des Scopas (4. Jahrhundert v. Chr.), der Latona und der Diana. Bei Plinius werden auch noch andere Kunstwerke erwähnt, u.a. ein Bronzekandelaber, der großen historischen Wert besaß, da er einst Alexander dem Großen gehörte (330 v. Chr.). Schließlich wissen wir, daß sich dort eine Sammlung herrlichster Kameen und geschnitzter Gemmen befand, von denen sich noch einige Beispiele in den Museen befinden. So sah laut Properz (1. Jahrhundert v. Chr.) das Vestibulum zum Palast des Augustus aus, der einen kleinen Teil des Hügels einnahm und von dem uns nur wenig erhalten blieb, weil seine ganze Struktur in dem neuen kaiserlichen Palast aufging, den Domitian errichten ließ. Wahrscheinlich stammt der Entwurf dazu von dem Architekten Rabirius. Die neue kaiserliche Residenz wurde im Jahre 92 v. Chr. fertig. Sie bestand aus drei Teilen, der Domus Flavia, der Domus Augustana und dem Palatinischen Stadion.

Die Domus Flavia der Palast für offizielle Empfänge lag mit seinem Eingang nach Norden und hatte einen strengen Portikus. In der Mitte befand sich der Thronsaal mit zwölf Nischen, in denen Statuen aus schwarzem Basalt standen, sowie 16 Säulen aus buntem Marmor. In einer großen Apsis stand der kaiserliche Thron. Links davon befand sich die Basilika, die durch goldgelbe Säulen in fünf Schiffe mit Apsiden unterteilt wurde. Hier wurde in Gegenwart des Kaisers Gericht gehalten. Rechts war das Larium, die Privatkapelle des Kaisers, hier fanden sich auch Spuren eines Isis Tempels aus der Zeit Caligulas. Aus dem Thronsaal trat man in einen großen Peristyl mit einem oktogonalen Brunnen in der Mitte. Durch den Peristyl gelangte man zum Triclinium, in dessen Apsis das kaiserliche Ruhebett stand. Es lassen sich noch Spuren des herrlichen Marmorfußbodens erkennen. Dieser Gebäudeteil war von wunderbarer, ja geradezu bühnenhafter Wirkung. Auf der einen Seite öffnete sich der Raum zum Peristyl, auf den beiden anderen gelangte man durch zwei große Öffnungen in zwei Nymphäen in elliptischer Form. Die harmonischen Strukturen wurden durch einen großen Portikus gegen den Circus Maximus hin ergänzt, sowie durch die beiden Bibliotheken. Der zweite Bereich, die Domus Augustana oder private Residenz des Kaisers und seiner Familie, war in zwei Stockwerke unterteilt. Das Obergeschoß, das sich in gleicher Höhe mit dem offiziellen Empfangspalast befand, hatte in der Mitte einen weiträumigen Peristyl mit einem Brunnen oder einem zentralen Impluvium. Das Untergeschoß hatte einen zweiten Säulengang, durch den man zu den privaten Wohngemächern gelangte. Viele von ihnen waren weit zum Tal des Circus maximus geöffnet.

Der dritte Teil, der das domitianische Baugelände abschloß, bestand aus dem Stadion oder Hyppodrom. Ein Gang aus Halbsäulen umlief die Arena mit zwei Galerien darüber. Es hatte eine Ausdehnung von 160 x 50 Metern. Noch jetzt kann man die Startplätze und Säulenfragmente sehen sowie deren Kapitelle. Es befindet sich dort auch ein rechteckiger Altar, auf dem die zwölf Gottheiten des Olymp dargestellt sind: Minerva, Juno, Mars usw. . Die Kaiserloge (pulvinar) bestand aus einer weiträumigen Exedra mit zwei Stockwerken. Im zweiten saß der Kaiser, um den Spielen zuzuschauen und den Blick über diesen hinreißenden architektonischen Komplex zu genießen.

Hinter dem Stadion des Domitian befinden sich Überreste der Bäder des Septimus Severus (203 v. Chr.). Um den Bau zu ermöglichen, war es nötig die ganze Südecke des Hügels mit einer Reihe mächtiger mehrgeschossiger Backsteinarkaden zu verlängern, mit deren Bau teilweise schon unter Domitian begonnen wurde. Sie reichten bis zu den Sitzreihen des Circus Maximus hinunter. Die Bäder schlossen sich an der Südseite mit einer breiten Zuschauerterrasse ab, von der aus der Kaiser den Rennen in dem Circus Maximus zusehen konnte. Um den prachtvollen Anblick der kaiserlichen Paläste auf dem Palatin zu ergänzen - sie mußten wie eine enorme eindrucksvolle Theaterkulisse wirken für die Reisenden, die sich Rom von der Via Appia her näherten - ließ Septimus Severus ein Gebäude namens Septizodium errichten (der Name stammt von den sieben Planeten, die darauf abgebildet waren). Wirkungsvoll, majestätisch, ja fast unglaublich muß der Eindruck auf die Reisenden gewesen sein, die Rom von der Via Appia her erreichten und nun der riesigen Größe des Circus Maximus, der Schönheit des Septizodiums und der Majestät der kaiserlichen Paläste gegenüberstanden.


 
Texte & Photos: Dr. Michael Spiegel - Impressum
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