Rom Spiegel
 
 

Rundgang Fori Imperiali, Colosseum

Wenn wir links an dem Viktor Emanuel Denkmal vorbei gehen, stehen wir am Anfang der Via dei Fori Imperiali. Diese wurde von Mussolini ohne Rücksicht auf Verluste wie eine Bresche mitten durch das Ausgrabungsgebiet der Fori Imperiali, der Kaiserforen geschlagen. Sie führt geradewegs von der Piazza Venezia zum Colosseum und zerschneidet das Gebiet der Fori Imperiali in zwei Hälften.

Kaiserforen, Fori Imperiali

Via dei Fori Imperiali, Metro Linea B, Stazione Colosseo, Bus 60, 75, 85, 87, 117, 175, 186, 810, 850, Besichtigung nur nach Vereinbarung Tel: 06-574 80 30

Das republikanische Forum reichte schon recht bald nicht mehr aus für die politische und Verwaltungstätigkeit einer Stadt, die inzwischen die Hauptstadt eines Kaiserreiches geworden war. Das Forum Romanum war von Denkmälern und Monumenten derart überladen, daß es seinem eigentlichen Zweck, Ort der Versammlung der Bürger zu sein, nicht mehr gerecht werden konnte. Es mußte neuer Raum für Begegnungen geschaffen werden. Gleichzeitig konnten sich die kaiserlichen Erbauer der Foren ein unvergleichliches Denkmal setzen. Julius Cäsar ließ nicht nur das alte Forum Romanum instand setzen (er ließ die Kurie erneuern und änderte ihre Lage; er baute die Julische Basilika; er bestimmte den Standort der Rostra, ließ das Forum pflastern und den Lapis Niger setzen), nein, er ließ auch ein ganz neues Forum in der Nähe des alten entstehen. Um dieses Projekt zu verwirklichen, mußte Cäsar eine Reihe von Privathäusern enteignen lassen, und er zahlte dafür die sagenhafte Summe von einer Million Sesterzen, einen Betrag, der heute weit in die Milliarden ginge.

Kaiserforen

Cäsar-Forum

Wenn wir um das Viktor Emanuel Denkmal herumkommen so liegt gleich zu Beginn auf der rechten Seite der Via dei Fori Imperiali, also direkt hinter dem Viktor Emanuel Denkmal das Cäsar-Forum.

Das Cäsar-Forum trat im Jahre 54 v. Chr. in Funktion, hatte die Form eines verlängerten Rechtecks (160 x 75 m) und wurde von Säulengängen mit dahinter liegenden Tavernen und Geschäften umrahmt. An der Schmalseite gegenüber dem Eingang erhob sich der Tempel der Venus Genetrix. Es war ein korinthischer Tempel im Oktastil in fast quadratischer Form mit einer herrlichen Kassettendecke. In der Apsis des Tempels stand das Standbild der Göttin. Es stammte von Archesilaus, einem griechischen Bildhauer der Neoattischen Schule. Es befanden sich dort ebenfalls zwei Cäsar-Standbilder und eines von Kleopatra. Erhalten sind von dem Tempel nur drei korinthische Säulen.

Der Zugang zum Tempel erfolgte über Stufen an den Längsseiten. Im Portikus des Bauwerks wurde eine umfangreiche Sammlung von Bildern der berühmtesten griechischen Maler aufbewahrt, die Cäsar erworben oder einfach hatte abtransportieren lassen, um sein Forum zu schmücken. Plinius spricht von zahlreichen bedeutenden Werken, u.a. auch von einem Bildnis der Medea, die in dumpfes Brüten über den Mord an ihren Kindern versunken scheint, sowie von einem Portrait der Kleopatra. Außerdem sollen sich dort sechs Truhen mit Gemmen und eine Rüstung aus kostbarem Metall befunden haben. Vor dem Tempel erhob sich ein wunderschöner Brunnen mit tanzenden Nymphen aus der neoattischen Bildhauerschule. Später, zur Zeit des Kaisers Trajan, wurde dann die Basilica Argentaria gebaut, und unter Domitian, Trajan und Hadrian wurden viele Restaurationsarbeiten am Forum vorgenommen.

Cäsar-Forum

Gegenüber dem Cäsar-Forum, auf der linken Seite der Via dei Fori Imperiali liegt das Augustus-Forum.

Augustus-Forum

Augustus setzte die Politik großzügiger Stadtplanung fort, indem er weitere private Wohnbezirke zwischen der Suburra und dem Cäsar-Forum enteignen ließ. Dort entstand dann 42 v. Chr. sein eigenes Forum, sowie der Tempel des Mars Ultor (der rächende Mars), von dem der Kaiser selbst in seiner Autobiographie spricht. Die Arbeiten wurden von dem erbeuteten Kriegsgut bezahlt. Das Forum war als großer rechteckiger Platz angelegt (125 x 90 m), an den Seiten befanden sich zwei überdachte Säulengänge in Halbkreisform von 33 m Höhe, mit korinthischen Säulen und Karyathiden. Die Arbeiten zogen sich jahrelang hin, und als das Forum endIich im Jahre 2 v. Chr. eingeweiht wurde, war es immer noch nicht fertig: die Arbeiten dauerten danach noch fast ein Jahrhundert an. Tiberius ließ dort im Jahre 19 n. Chr. zwei Triumpfbögen bauen, für Drusus und Germanicus. Hadrian erweiterte und restaurierte das Forum. Es befanden sich dort auch zahlreiche Kunstwerke, so eine Apollo-Statue aus Elfenbein sowie eine Bronzequadriga, die Augustus vom Senat zum Geschenk erhalten hatte. In den Halbkreisbögen hatte Augustus die Statuen der berühmtesten Heerführer Roms aufstellen lassen, von Äneas bis zu seiner Zeit, und jede Statue trug eine Ehreninschrift. Besonderes Interesse galt dem Standbild des Julius Cäsar, im Tempel wurde sein Schwert als Reliquie verehrt. Laut Dion Cassius waren die Statuen aus Bronze, die Historia Augusta beschreibt sie dagegen als Marmorstatuen.

Der Tempel des Mars Ultor war im italischen Stil gebaut: ein Peripteros zog sich an drei Seiten hin, mit acht korinthischen Säulen an jeder Seite, die auf einem marmorverkleideten Sockel von ca. 3,55 m Höhe standen. Eine Stufenreihe führte zur Fassade, in deren Mitte der Opferaltar stand. In der Apsis waren die Statuen von Mars und Venus. Neben dem Tempel befand sich die Halle des Colossus Augustus (der Kolossal-Statue des Augustus) und an den Wänden, die mit gelbem, buntem und afrikanischem Marmor verkleidet waren, müssen sich die vier von Plinius erwähnten Gemälde befunden haben, von denen zwei von dem legendären Apelles gestammt haben sollen.

Um diese herrlichen und kostbaren Kunstwerke vor den Bränden zu, schützen, die so häufig in den überbevölkerten Vierteln der Suburra ausbrachen, vielleicht auch um nicht den häßlichen Anblick ertragen zu müssen, ließ Augustus um, das Forum eine Mauer aus feuerfestem Material (Peperino und Gabii Gestein) aufführen.

Augustus-Forum

Friedens-Forum

Das dritte der Kaiserforen war das unter den Flavischen Kaisern errichtete Friedens-Forum. Es war ein großer Platz mit Säulengängen, auf dem sich der Friedens- oder Vespasian-Tempel erhob. Von dem ganzen Monumentalkomplex, der den Bezirk zwischen der heutigen Via Cavour und dem Kolosseum einnahm, ist nichts erhalten geblieben. Wir wissen nur, daß in dem Tempel, wie in einem Museum, die Schätze aus Jerusalem und viele andere Kunstwerke aufbewahrt wurden.

Friedens-Forum

Zum Colosseum hin schließt sich sowohl an des Augustus-Forum, als auch an das Cäsar-Forum, also beiderseits der Via die Fori Imperiali das Forum des Nerva an.

Nerva-Forum

Das Forum des Nerva wurde unter Domitian begonnen und unter Nerva im Jahre 97 n. Chr. fertiggestellt. Es wurde Forum Transitorium , Durchgangsforum genannt, weil hier die Via dell'Argileto, die das Forum Romanum mit dem Quirinal verband, durchführte. Der Tempel hatte an der Vorderseite acht korinthische Säulen und war der Minerva geweiht. Im Jahre 1606 wurde er von Papst Paul V. abgerissen und sein Marmormaterial diente zum. Bau des Brunnens auf dem Janiculum sowie für die Capella Borghese in Santa Maria Maggiore.

Nerva-Forum

Wir haben die Kaiserforen gemäß ihrer Entstehungsgeschichte in chronologischer Reihenfolge beschrieben. Das letzte hier errichtete Forum, ist das des Trajan. Es liegt jedoch gleich zu Beginn der Via die Fori Imperiali auf deren linken Seite.

Trajans-Forum

Das Trajans-Forum war das schönste aller Kaiserforen. Seine Anlage war vielleicht schon von Domitian vorgesehen, da dieser bereits begonnen hatte, den Sattel des Quirinal-Hügels abzutragen. Es war ein bemerkenswerter Arbeitsprozeß, da der Sattel dieses Hügels etwa dreißig Meter hoch war. Heute lehnen sich die Trajanischen Märkte halbkreis förmig aufsteigend an den Abhang des Quirinal an. Deren Bau war zunächst nur aus Stabilitätsgünden, um einen Erdrutsch zu vermeiden erforderlich. Der endgültige Entwurf stammt aber erst von dem großen Architekten des Trajan, Apollodorus von Damaskus.

Der große architektonische Komplex des Forums bestand aus einem breiten rechteckigen Platz mit Säulengängen und zwei Exedren. Der Zugang erfolgte vom Augustus-Forum durch den Trajan geweihten Triumpfbogen. Gegenüber dem Platz, in dessen Mitte ein Reiterstandbild des Kaisers stand, lag die Basilika Ulpia, die größte Basilika in Rom, mit fünf Schiffen und zwei Apsiden. In ihrer Größe war sie mit der christlichen Basilika San Paolo fuori le Mura vergleichbar. Außer der Basilika Ulpia befanden sich dort noch die Gebäude der griechischen und lateinischen Bibliotheken. Zwischen ihnen erhob sich die Trajansäule mit den Reliefs, auf denen die Eroberung von Dacia, dem heutigen Rumänien, dargestellt wird. Etwas abseits davon muß sich der Tempel des Trajan befunden haben, den seine Nachfolger für ihn bauen ließen. Er ist gänzlich verlorengegangen durch den Bau zweier Kirchen, des Valentini Palastes (der heutigen Präfektur) sowie anderer Häuser, unter ihnen das des Michelangelo.

Trajans-Forum

Wenn wir die Via dei Fori Imperiali bis zum Ende weitergehen, kommen wir direkt zum Colosseum.

Colosseum

Piazza del Colosseo, Metro Linea B, Stazione Colosseo, Bus 75, 81, 85, 87, 117, 175, 673, 810, Tram 3, Mo-So 09:00-eine Stunde vor Sonnenuntergang, Tel: 06-39 96 77 00

Das Amphitheatrium Flavium (so lautete eigentlich der Name des Colosseums) wurde im Jahre 12 n. Chr. unter Vespasian begonnen und von Kaiser Titus im Jahre 80 eingeweiht. Die Einweihung wurde mit hundert Feiertagen sehr festlich begangen. Der antike Schriftsteller Dion Cassius berichtet, daß während dieser Feiertage 9000 wilde Tiere und ca. 2000 Gladiatoren ihr Leben ließen.

Das Amphitheater wurde allerdings erst unter Kaiser Domitian fertig. Es war viergeschossig. Die ersten drei Geschosse waren durch Bögen mit Halbsäulen im dorischen, ionischen und korinthischen Stil verschönt. Das vierte Geschoß trug keine Bögen, sondern rechteckige Fenster und war mit Pilastern mit korinthischen Kapitellen verziert. Das erste Geschoß ist 10,50 m hoch und die dorischen Bögen haben eine Höhe von 7,10 m und eine Breite von 4,30 m. Das zweite Geschoß im ionischen Stil ist 11,85 hoch und die Bögen messen 6,40 m in der Höhe und 4,30 m in der Breite. Der dritte Rang im korinthischen Stil ist 11,60 m hoch, seine Bögen sind 6,40 m hoch und 4,30 m breit. Die korinthischen Pilaster im obersten Geschoß haben einschließlich der Sockel eine Höhe von 13,90 m.

Zu jedem der drei Geschosse mit Bögen gab es achtzig Zugänge, im ersten Geschoß waren sie numeriert, mit Ausnahme derjenigen, die an der größten und kleinsten Achse lagen. Erstere bildeten die Haupteingänge zur Arena, die letzteren dienten als Eingang für die kaiserliche Familie. Die Numerierung diente dazu, dem Besucher den für ihn bequemsten Eingang zu seiner Stufenreihe anzuzeigen. Die unterschiedlich gelegenen Stufenreihen entsprachen jeweils dem sozialen Rang des Zuschauers.

Der größte Teil der Fassade wie auch des Innenraums des Amphitheaters besteht aus Travertin. Die großen Blöcke wurden nicht mit Mörtel, sondern durch Metallstifte zusammengehalten. Die Arena des Amphitheaters war 79 m lang und 46 m breit. Rund um die Arena war ein Gitter zum Schutz der Zuschauer gezogen. Der Fußboden der Arena, der aus Holzplatten bestand, war mit Sand bedeckt, daher der lateinische Name Arena.

An den Längsseiten der Arena befanden sich zwei Eingänge; der südöstliche war die Porta Libitinaria (von Libitina, der Göttin der Begräbniszeremonien) durch welche die im Kampf umgekommenen Gladiatoren wie die getöteten Tiere abtransportiert wurden. Das andere war das Eingangstor für die aufmarschierenden Gladiatoren, die vor Beginn des Kampfes erst ihre Runde vor Kaiser und Publikum drehten: Ave Caesar, morituri te salutant! (Heil Cäsar, die Todesbereiten grüßen Dich!).

Die unterirdischen Gewölbe der Arena dienten für alles, was für die Spiele notwendig war. In den Käfigen waren die für das Spiel bestimmten wilden Tiere eingeschlossen; es gab mechanische Aufzüge, welche die Tiere in die Arena beförderten. Weiter sind fünf Kryptoportiken (gedeckte Galerien oder Korridore) zu nennen. Einer von ihnen war mit Stuckverzierungen und Mosaiken versehen, die Seitenwände waren bemalt. Wahrscheinlich ließ ihn Kaiser Commodus bauen, um auf diese Weise direkt ins Amphitheater zu gelangen.

Die Cavea, die Sitzreihen für das Publikum, erhoben sich auf einem Sockel. In der Mitte der Querachse, also an den Längsseiten der Elipse, befanden sich die Pulvinarien, die Ehrenlogen, an der Südostseite die für die kaiserliche Familie, an der gegenüberliegenden Seite die für die wichtigsten Würdenträger sowie für die Vestalinnen. Die Pulvinarien lagen übrigens an den beiden Haupteingängen.

Der Zugang zu ihnen erfolgte durch zwei Räume in der Art eines Salons, mit achtzehn Pilastern aus Travertin und Stuck verzierten Gewölben. Auf dem Sockel befanden sich sieben, Stufenreihen und zwölf Zugänge, Vomitoria genannt. über diesem ersten Ring lag eine weitere Reihe mit zwölf Stufen, die ein 3,50 m breiter durchlaufender Korridor, abschloß. Diese Breite läßt sich durch die vierzig lukenartigen Öffnungen erklären, die den unteren Portikus, das Ambulatorium beleuchteten. Diese Sitzreihe hatte 14 Zugänge und war für die vierzehn Ritterorden bestimmt.

Es folgte eine Reihe von 19 Stufen, die ebenfalls von einer Brustwehr und einem Umgang abgeschlossen wurde. Diese Stufenreihe hatte 32 Zugänge oder Vomitoria, und da sie sehr hoch war, hatte sie im Hintergrund 28 Fenster, durch die der dahinter liegende Gang Licht erhielt. Zwischen den Fenstern befanden sich 36 Nischen mit Statuen. Darauf folgte das Obergeschoß, der letzte Rang, der aus sieben hölzernen Stufenreihen bestand, Die Brustwehr diente als Basis für einen Portikus von 80 Säulen, Unter diesem war der Umgang mit 12 Zugängen. Aus diesen Ausführungen läßt sich die Zuschauermenge errechnen, die das Amphitheater fassen konnte: sie muß bei 50,000 gelegen haben.

Zum Abschluß dieser allgemeinen Beschreibung soll noch das Velarium erwähnt werden. Es war dies ein Segeltuch zum Schutz der Zuschauer vor der brennenden Sonne. Es wurde auf der Terrasse über dem Portikus hochgezogen. Diese Aufgabe oblag den Matrosen der kaiserlichen Flotte vom Kap Misenum (nahe Napoli).

Nur im Raffen und Aufziehen von Segeln sehr erfahrene Matrosen waren in der Lage, eine solche umständliche und komplizierte Operation auszuführen. Das verlangte eine umsichtige Ausbildung, denn nicht nur das Ausmessen und Plazieren der Einzelteile des Velariums und die Bedienung der Maschinerie, sondern auch die richtige Verteilung der Arbeitskräfte und der ihnen zugeordneten Aufgaben sowie die Zeiteinteilung verlangten größtmögliche Präzision. Eine Truppe von 100 Matrosen vom Kap Misenum, die in einer dem Amphitheater nahegelegenen Kaserne untergebracht waren, wurde allein Zur Instandhaltung des Velariums gebraucht. Für die Montage dagegen brauchte man noch einmal mehr als 1000 Mann, die mit Schiffen zweimal jährlich bis zur Tibermündung oder den Fluß herauf bis in die Stadt kamen. Denkt man an all diese erforderlichen Arbeiten, an das riesige Ausmaß der Velarium Fläche, an das enorme Gewicht der Seile und der Segeltuch Planen, an die statistischen und dynamischen Probleme, die sich durch Spannung und Resistenz ergaben, so läßt sich daraus folgern, daß das Aufziehen des Velariums eine größere Aufgabe darstellte als die Errichtung eines Obelisken.

Auch die Wirkung des Windes, der durch das Oberlicht wie auch durch die obere Kante des Velariums dringen konnte, war einkalkuliert; dennoch muß, wie uns antike Geschichtsquellen berichten, das Geräusch des Windes im Zusammenklang mit dem Brüllen der Tiere und dem emphatischen Geschrei der Zuschauer einen unbeschreiblichen Krach gemacht haben. Nach der Betrachtung all dieser Details müssen wir uns fragen, wie wohl der Mann geheißen haben mag, der dieses gewaltige Kolosseum plante. Es ist seltsam, daß es für ein so großes architektonisches Meisterwerk, das von Anfang an für eine Art Weltwunder gehalten wurde, keinen Hinweis auf den Architekten gibt, auch nicht bei den antiken Schriftstellern, nicht einmal bei Martial, dem Geschichtsschreiber der Flavischen Kaiser. Um sich eine Vorstellung von den Hindernissen machen zu können, die beim Bau des Amphitheaters zu überwinden waren, soll nur an das verwendete Material erinnert werden, das größtenteils aus Travertin-Blöcken bestand, die aus den Steinbrüchen bei Tivoli zur Baustelle transportiert werden mußten.

Beim Bau fanden ungefähr 100.000 Kubikmeter davon Verwendung. Es mußten also wenigstens fünfzigtausend Wagen voll im Lauf der vier Jahre, die, wie man annimmt, zum Bau der Pilaster und dem Gerüst des Kolosseums selbst nötig waren, herbeigeschafft werden. Man rechnet, daß für diesen Transport ungefähr 200 Wagen und 400 Zugtiere, meist Ochsen, nötig waren. Während dieser vier Jahre sah die Via Tiburtina täglich ein Drittel dieser beladenen Ochsenkarren aus den römischen Steinbrüchen kommen, ein Drittel leerer Wagen, die zu den Steinbrüchen fuhren und ein Drittel haltender Wagen, die auf ihr Beladen warteten. Ferner ist zu bedenken, daß die Blöcke für die Basis der Pfeiler des Kolosseums jeweils zwei Kubikmeter maßen und fünf Tonnen wogen.

Es gab zwei Arten von Spielen im Amphitheater: Gladiatoren-Wettkämpfe und Venationes, Jagd auf wilde Tiere. Die "venationes " fanden am Morgen statt, die Gladiatorenkämpfe am Nachmittag. Domitian, Trajan, Hadrian, sie alle liebten diese Spiele sehr und nahmen an ihnen oft persönlich teil. Hadrian z.B. stieg in die Arena hinunter und brachte es fertig, einen Löwen mit eigener Hand zu erlegen. Um seinen Sieg über die Daker zu feiern, ließ Trajan 11.000 wilde Tiere und 10.000 Gladiatoren kämpfen. Antoninus Pius brachte Tiger, Elefanten, Krokodile, Nilpferde sowie an einem Tag 100 Löwen in die Arena.

Die großartigsten Spiele fanden jedoch unter dem Kaiser Commodus statt. Man nimmt an, daß er selbst wahrscheinlich eher von einem Gladiatoren abstammte als von seinem legitimen Vater Mark Aurel, und daß das Gladiatorenblut seine Natur bestimmte. Er besuchte auch die Gladiatorenschule, die ludus gladiatorae und brüstete sich damit, tausend seiner Kameraden besiegt zu haben.

Die Spiele fanden an festen Daten sowie zu außergewöhnlichen Anlässen statt. Die festen Daten waren die Geburtstage der Kaiser und Jahrestage geschichtlicher Ereignisse. Sonst wurden die Spiele aus Anlaß eines Sieges oder Triumphes gegeben. Aber auch aus Anlaß eines Begräbnisses fanden Spiele statt. Anschläge (edictus) informierten zu gegebener Zeit das Volk über die Abfolge der Spiele sowie ihren Anlaß. Auch wurden Tag und Anfangszeit bekanntgegeben.

Colosseum

Am Colosseum direkt befindet sich eine Station der Metropolitana Linea B, wenn wir den Rundgang hier beenden wollen. Vom Colosseum aus können wir aber auch den Spaziergang "Colosseum bis zur Porta Maggiore" anschließen, oder durch den Eingang beim Titusbogen das Forum Romanum betreten und den Rundgang Kapitol und Forum Romanum in umgekehrter Reihenfolge durchlaufen.


 
Texte & Photos: Dr. Michael Spiegel - Impressum
URL: http://www.rom-spiegel.de/rundgang-8.php
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