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Rundgang Zwischen Corso Vittorio Emanuele II und Tiber

Hierher gelangen wir von der zentral gelegenen Piazza Venezia mit einem der zahlreichen über die Via d. Plebiscito und weiter über den Corso Vittorio Emanuele II verkehrenden Busse (30, 40, 46, 62, 63, 64, 70, 81, 87, 186, 492, 628, 810, 916).

An der Stelle, an der die Via d. Plebiscito in den Corso Vittorio Emanuele II übergeht öffnet sich die Piazza il Gesu. Hier steht die Kirche il Gesu.

Il Gesu

Piazza il Gesu, Bus 46, 62, 64, 70, 81, 87, 186, 492, 628, 810, Mo-So 06:00-12:30 16:00-19:15, Tel: 06-69 70 01

Diese große Kirche ist einerseits richtungsweisend für den barocken Kirchenbau, andererseits ein Prototyp des sogenannten Jesuitenstils. Die neue Kirchenform verschmilzt den Zentralbau der Renaissance mit dem mittelalterlichen Langhaus zu einem mehr oder weniger längs gerichteten Kuppelbau. Dieser wird dem wesentlichen Bedürfnis der Jesuiten, eine Predigerkirche zu haben gerecht. Beachtet man die fast wie abgetrennte Räume wirkenden Seitenkapellen, so erkennt man, daß dieser Bau auch der zweiten Aufgabe der Jesuiten, der intensiven Seelsorge sowohl mit dem Einzelnen (Beichte), als auch mit der Gruppe (Exerzitien) gerecht wird. Der Bau wurde 1568 von Vignola begonnen und nach dessen Tod 1573 von den Jesuiten selbst mit Hilfe Giacomo della Portas 1575 vollendet. Der Innenraum wurde bei Renovierungen im 17.Jahrhundert und im 19. Jahrhundert erheblich verändert.

Großartig die Fresken im Tonnengewölbe des Langhauses mit dem Triumph des Namen Jesu sowie die Fresken der Kuppel mit Patriarchen, Evangelisten, Kirchenlehrern und Engel uns schließlich der Apsis mit der Anbetung des Lammes. Alle wurden zwischen 1669 und 1685 von Baciccia geschaffen. Im angedeuteten Querhaus rechts der Altar des Franziskus Xaverius 1674-1678 nach Entwürfen von Pietro da Cortona geschaffen. Daneben zum Altar hin die Capella del S. Cuore von Giacomo della Porta mit Fresken von Baldasare Croce (1558-1628).

Der neoklassizistische Hochaltar (1834-1843 von Antonio Sarti). Links neben dem Hochaltar die Capella di S. Maria degli Astalli mit einem Altarbild aus der früher an dieser Stelle stehenden Kirche S. Maria degli Astalli aus dem 15. Jahrhundert. Daneben schließlich die Capella di S. Ignazio di Loyala. Unter dem 1696-1700 geschaffenen Ignatiusaltar befindet sich das Grab des Ignatius di Loyala. Grabmahl und Altar sind überaus prunkvoll. Der Sarkophag besteht aus Goldbronze, die großen Säulen sind mit Lapislazuli verkleidet. Die Statue des Ignatius ist eine lediglich versilberte Kopie der aus massiven Silber geschaffenen Originalstatue, welche aber Papst Pius VI nach dem Vertrag von Tolentino als Reparationsleistung an Napoleon abliefern mußte. Im Giebel trägt eine der Putten die aus einem Lapislazuliblock geschaffene Weltkugel.

Die Südseite der Piazza il Gesu wird durch den Palazzo Cenci Bolognetti begrenzt. Die Fassade schuf Ferdinando Fuga (1699-1781). Hier beginnt der Corso Vittorio Emanuele II der mit der Ponte Vittorio Emanuele II unweit der Engelsburg den Tiber überquert. Der Corso entspricht in seinem Verlauf der alten Via Papale, welche nach der Rückkehr der Päpste aus Avignon angelegt wurde. Sein heutigen Aussehen erhielt der Corso im wesentlichen nach dem Risorgimento, nach der Einigung Italiens im Jahre 1871.

Il Gesu

Largo di Torre Argentina

Unmittelbar nach der Piazza il Gesu trifft der Corso auf den Largo di Torre Argentina. Hier hat man in den Jahren 1926-1930 Reste von vier republikanischen Tempeln freigelegt. Der von Norden her dritte Tempel des Ensembles ist der wohl älteste der Gruppe. Er liegt zum einen tiefer als die anderen, dann sind die Säulen in die Fassade integriert, nicht vorgesetzt, was den Bau als einen etruskischen Tempel ausweist. Und schließlich ist das Fundament aus den gleichen Tuffblöcken wie die Severianische Stadtmauer errichtet. Demzufolge dürfte der Tempel aus der Jahrhundertwende 4. zum 3. vorchristlichen Jahrhundert stammen. Er ist dann eines der ältesten Monumente Roms. Über die Bedeutung diese Areals, was außerhalb der republikanischen Mauern lag weiß man nichts genaues. Die Anlage scheint jedoch bedeutend gewesen zu sein, da sie in kaiserlicher Zeit restauriert und erhalten wurde. Unklar ist, welchen Gottheiten die Tempel geweiht waren.

Largo di Torre Argentina

Piazza Mattei, Fontana della Tartarughe (Schildkrötenbrunnen)

Das gesamte sich in Richtung Piazza il Gesu anschließende Areal zwischen der Via Botteghe Oscure, der Via Caetani, der Via Funari und der Via Paganica wird von den vier Palästen der Familie Mattei eingenommen. Eindrucksvoll ist auf der Piazza Mattei der Schildkrötenbrunnen, die Fontana della Tartarughe. Der Brunnen entstand 1581-1584 unter Giacomo della Porta. Über vier marmornen Riesenschnecken erheben sich vier bronzene Jünglinge die jeweils einen Wasser speienden Delphin festhalten. Die Schildkröten am Rand der Brunnenschale wurden im 17. Jahrhundert ergänzt.

Fontana della Tartarughe

Über die Via Falegnami, die Piazza Chairoli und die Via Chiavari treffen wir an der Piazza S Andrea della Vale neben der gleichnamigen Kirche wieder auf den Corso Vittorio Emanuele II.

San Andrea della Vale

Piazza San Andrea della Vale, Bus 40, 46, 62, 64, 70, 81, 87, 116, 186, 492, 628, Mo-So 07:30-12:30 16:30-19:30, Tel: 06-686 13 39

Die Opernfreunden aus Puccinis Tosca wohl bekannte Kirche wurde 1591 bis 1665 nach Plänen Giacomo della Portas erbaut. Ab 1608 führte allerdings Carlo Maderna die Bauarbeiten. Ihm ist vor allem Roms zweitgrößte Kuppel zu verdanken. Erst 1665 konnte der Bau unter Rainaldi vollendet werden. Die Fassade ist gewissermaßen die Fortführung der Fassade der Kirche il Gesu, nur monumentaler, großartiger ja vollendeter. Das Innere der Kirche ist dagegen ein Zentralbau in Form des lateinischen Kreuzes. Auch sind die Kapellen nicht so abgeschlossen wie in il Gesu, sondern öffnen sich breit zum Hauptraum. Zentral thront über allem die mächtige Kuppel. Die Kuppelfresken entstanden 1621 bis 1625 durch Giovanni Lanfranco, die Fresken der Apsis zwischen 1624 und 1628 unter Domenichino.

San Andrea della Vale

Hier können wir den Rundgang wie unten beschrieben fortsetzen oder aber mit dem Rundgang Piazza Navona, Pantheon fortfahren. Die Piazza Navona erreichen wir von der Piazza San Andrea della Vale über den Corso Rinascimento.

Campo dei Fiori

Verlassen wir den Corso wieder über die Via d. Paradiso so gelangen wir zur Piazza del Biscione. Die an dieser Piazza gelegenen Gebäude, insbesondere der Palazzo Pio stehen auf den Ruinen des antiken Theatro di Pompejo. Dieses 57 v. Chr. erbaute Theater ist das erste steinerne Theater Roms. Da die Curia auf dem Forum Romanum renoviert wurde, tagte der Senat hier in dem Theater des Pompejus, so wurde auch Caesar hier ermordet. Die Gastwirte des gesamten Viertels haben authentische Beweise dafür in ihren Kellern, die sie den Touristen gerne zeigen, aber nur wenn diese zum Essen bleiben.

An die Piazza di Biscione schließt sich das Campo dei Fiori an, offiziell Piazza di Campo dei Fiori, der Platz des alten Blumenmarktes. Ein pittoresker Markt findet hier auch heute noch jeden Vormittag statt. In der Mitte des Platzes erinnert das Denkmal Giordano Brunos an die vielen Hinrichtungen die hier stattfanden. Der Dominikanerpater und Naturphilosoph Giordano Bruno wurde am 17. Februar 1600 als Ketzer hier verbrannt. Fast unmittelbar an die Piazza di Campo die Fiori schließt sich die Piazza Farnese an. Zwei gleichartige Brunnen von Carlo Rainaldi schmücken den Platz.

Zum Tiber hin wird diese Piazza durch den Palazzo Farnese begrenzt. Man kann den Palazzo Venezia als Anfang der römischen Renaissance bezeichnen, dann muß man den Palazzo Farnese als Krönung der Renaissance Baukunst in Rom betrachten. Ursprünglich war Antonio da Sangallo von Kardinal Alessandro Farnese (dem späteren Papst Paul III) 1514 mit dem Bau beauftragt worden. Doch nach dessen Tod übernahm Michelangelo die Bauleitung. Vollendet wurde der Bau erst unter Giacomo della Porta (1540-1602). Der Palast wurde an die spanischen Bourbonen vererbt und gelangte später in den Besitz Frankreichs. Heute befindet sich hier die französische Botschaft. Noch reicher als die Fassade ist der Innenhof gestaltet. Mit ihrer Abfolge der verschiedenen Säulenordnungen zeigt der Innenhof einmal mehr, wie sehr die Baumeister von der Fassade des Kolosseums geleitet wurden.

Campo dei Fiori

Santa Maria di Monserrato

Via di Monserrato, Bus 23, 46, 62, 64, 116, 280, So 10:00-13:00 17:00-19:30 nur nach vorheriger Genehmigung, Tel: 06-686 58 65

Rechts von dem Palazzo Farnese beginnt die Via di Monserrato. Hier liegt die Kirche Santa Maria di Monserrato, benannt nach einem Marienbild des Klosters Montserrat nahe Barcelona. Die Kirche wurde von dem Borgiapapst Alexander VI für die Katalonen und Aragonesen erbaut. Die Fassade zeigt eine Madonna mit Kind. Das Kind zersägt einen Felsen, eine Anspielung auf den Namen Montserrat, zersägter Berg. In der ersten Kapelle rechts die Gräber der beiden Borgiapäpste Kalixtus III (1455-1458) und Alexander VI (1492-1503).

Santa Maria di Monserrato

Der Rundgang durch die Gassen dieses Handwerkerviertels mit zahlreichen Antiquitätengeschäften läßt sich so einrichten, daß wir an der Piazza della Chiesa Nuova wieder den Corso Vittorio Emanuele II erreichen.

Chiesa Nuova

Piazza della Chiesa Nuova, Bus 40, 46, 62, 64, Mo-So 08:00-12:00 16:30-19:00, Tel: 06-687 52 89

Die Chiesa Nuova oder Santa Maria in Valicella ersetzt seit dem 16. Jahrhundert einen älteren Kirchenbau aus dem 12 Jahrhundert, der dem heiligen Johannes geweiht war. Die Bruderschaft des heiligen Philipp Neri, welcher von Papst Gregor XIII unterstützt wurde initiierte den Bau, der nach Plänen Martino Longhi des Älteren ausgeführt wurde. Die Fassade wurde erst 1605 von Fausto Rughesi ergänzt. In dem weitläufigen Innenraum entfaltet die Kirche ihre ganze barocke Pracht. Die Kuppelfresken von Pietro da Cortana 1664 und 1665 geschaffen zeigen eine Vision des heiligen Philipp Neri. Der Hochaltar erhält seine Bedeutung durch die 1606 bis 1608 geschaffenen Bilder von Rubens. In der Mitte die Madonna mit Kind und Heiligen, rechts die Heiligen Domitilla, Nereus und Achilleus, links schließlich die Heiligen Gregor, Maurus und Papian.

Das Kloster der Filippinos links neben der Kirche wurde 1637-1650 von Borromini erbaut. Der Hauptsaal dieses Klosters, heute Sala del Borromini genannt, war früher das Oratorio dei Filippini. Hier in dem eigentlichen Betsaal führte Philipp Neri mit Mitgliedern der Congregazione dell'Oratorio religiöse Musikdramen auf. Aus diesen Musikdramen entwickelte sich die heute als Oratorium bekannte Musikgattung. Heute dient die Sala del Borromini wieder Musikdarbietungen.

Chiesa Nuova

Mit einem der Busse (40, 46, 62, 64, 916) gelangen wir zurück zur Piazza Venezia. Wir können aber auch mit dem Rundgang Piazza Navona Pantheon fortfahren. Über den Vic. Governo Vecchio und die Via del Governo Vecchio erreichen wir bei der Piazza Pasquino schließlich die Piazza Navona.


 
Texte & Photos: Dr. Michael Spiegel - Impressum
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