Rom Spiegel
 
 

Rundgang Aventin

Der Rundgang über den Aventin, den südlichsten der sieben Hügel Roms, führt uns in ein - für römische Verhältnisse- ungewöhnlich ruhiges Stadtviertel, ein Wohngebiet der Wohlhabenden. Das war nicht immer so. Als der Aventin bereits zu republikanischer Zeit von der Stadtmauer umgeben wurde, so geschah dies aus rein strategischen Überlegungen, das Gebiet war damals noch nahezu unbewohnt. Erst relativ spät siedelten sich hier vornehmlich Plebejer an. In der Kaiserzeit entstanden hier schließlich vornehme Wohnhäuser der Patrizier. Nachdem der Aventin 410 durch die Goten unter Alarich verwüstet worden war, blieb er lange Zeit nahezu unbesiedelt. Erst in neuerer Zeit entstanden hier wieder eher vornehme Wohngebiete.

Zum Ausgangspunkt des Rundgangs, der Piazza della Bocca della Verita, gelangen wir mit den Bussen entlang dem Lungotevere die Cenci (23, 63, 28, 630, 780) oder von der Piazza Venezia über die Via d Teatro di Marcello (44, 63, 70, 75, 81, 87, 95, 160, 170, 204, 628, 630, 715, 716)

Piazza della Bocca della Verita

Wir beginnen unseren Rundgang an der - ganz im Gegensatz zum Aventin - sehr quirligen Piazza della Bocca della Verita, nahe dem Antiken Forum Boarium. Auf der Mitte der Piazza steht der barocke 1715 von Carlo Francesco Bizzaccheri geschaffene Brunnen, dessen Tritonen später von Francesco Moratta ergänzt wurden.

Auf dem Forum Boarium stehen zwei gute erhaltene Tempelbauten. Der Rundtempel wird fälschlicherweise als Vestatempel bezeichnet, da man ihn anfänglich mit dem Vestatempel auf dem Forum Romanum verwechselte. Die Inschrift kennzeichnet ihn jedoch als Tempel des Hercules Invictus. Die von 20 korinthischen Säulen umgebene Cella diente im Mittelalter zeitweise als Kirche, weshalb das Gebäude so gut erhalten ist. Daneben steht der ca. 100 v. Chr. Entstandene Tempel der Fortuna Virile, das wohl am besten erhaltene Bauwerk aus republikanischer Zeit. Auch dieser Tempel trägt einen falschen Namen, er war eigentlich dem Flußgott Portunus geweiht. Baugeschichtlich verschmelzen bei diesem Tempel der etruskische und der griechisch ionische Stil. Die Cella des Tempels ist nicht komplett von einem Säulengang umgeben. An der Seite sind die immer noch vorhandenen Säulen in die Wand integriert. Der Tempel ist also ein Pseudoperipteros. Auch fehlt der typisch ionische Stufenaufgang auf allen Seiten, was eindeutig die etruskischen Einflüsse zeigt. Auch dieser Tempel verdankt seine gute Erhaltung der zeitweiligen Nutzung als Kirche, Papst Johannes VIII (872-882) weihte ihn zur Kirche Santa Maria Egiziaca.

Die dem Tiber abgewandte Seite des Platzes wird von dem Arco di Giano, dem Janusbogen begrenzt. In der Antike stand der Bogen auf einer belebten Kreuzung. Die vier Bogen des quadratischen Bogens öffnen sich demnach auch nach den vier Richtungen, aus denen die Straßen hier zusammentrafen. In der Fassade befinden sich zahlreiche Nischen, in denen Statuen standen, über den vier Arkaden die Bildnisse der Göttinnen Roma, Iuno, Minerva und Ceres.

Hinter dem Janusbogen steht die Kirche S. Giorgio in Velabro, an dem Ort des einst sumpfigen Tiberufer, an dem der Hirte Faustulus die ausgesetzten Zwillinge Romolus und Remus gefunden haben soll. Der Name der Kirche erinnert an das Velabrum majus, ein lebhaftes Viertel mit vornehmlich Lebensmittelgeschäften. Die jetzige aus dem 9. Jahrhundert stammende Kirche steht an der Stelle der ersten hier bereits im 7. Jahrhundert errichteten Kirche. Beim Bau der Kirche wurden Materialien der umliegenden antiken Bauwerke verwendet. In die Vorhalle wurde der 204 n. Chr. zu Ehren des Kaisers Septimus Severus errichtete Arcus degli Argentari, der Geldwechslerbogen, einbezogen.

Piazza della Bocca della Verita

Santa Maria in Cosmedin

Piazza della Bocca della Verita 18, Bus 23, 44, 81, 95, 160, 170, 280, 628, 715, 716, Mo-So 09:00-17:00, Tel: 06-678 17 19

Wir gehen zurück zur Piazza della Bocca della Verita. In der Vorhalle der links stehenden Kirche Santa Maria in Cosmedin befindet sich der namensgebende Bocca della Verita, der Mund der Wahrheit. Hierbei handelt es sich um einen antiken Brunnendeckel in Form einer Tritionenmaske. Der Mund der Maske ist so weit geöffnet, daß man eine Hand hinein strecken kann. Im Mittelalter wurde die Bocca della Verita als Lügendetektor verwendet, da man glaubte, einem Lügner würde die Hand abgebissen. Sicher hat man gelegentlich auch mit dem Schwert nachgeholfen.

Die Kirche Santa Maria in Cosmedin wurde wahrscheinlich im6. Jahrhundert unter Papst Hadrian I (772-795) errichtet. Im 12. Jahrhundert wurde die Kirche deutlich erweitert, auch wurde der Kampanile errichtet, einer der schönsten Roms. Zahlreiche barocke Veränderungen konnten im 19. Jahrhundert glücklicherweise wieder entfernt werden, so daß die Kirche nahezu in ihrem ursprünglichen Zustand besteht, was sie so interessant macht. Die Kirche stand in einem von Griechen bewohnten Viertel, welche ihr auch den Beinamen in Cosmedin also zum Schmuck gaben. Man vermutet, daß die Griechen zur Zeit des Bilderstreites (8. Jahrhundert) nach Rom geflohen sind und der ihnen zugeteilten Kirche diesen Namen gaben. Aus der Vorhalle mit der Bocca della Verita gelangt man in das Innere der durch antike Säulen in drei Schiffe geteilten Kirche. Ein großer Teil des Mittelschiffes wird durch die Schola cantorum den Sängerchor eingenommen. Besondere Beachtung verdient der in schöner Kosmatenarbeit im 12. Und 13. Jahrhundert entstandene Fußboden. Die Löwenköpfe des hinter dem Hochaltar stehenden Bischofsthrones sind vermutlich antiker Herkunft. Die kleine Krypta der Kirche ist in einen antiken Tempel hinein gebaut.

Santa Maria in Cosmedin

Seitlich an der Kirche Santa Maria in Cosmedin vorbei durch die Via d Greca gelangen wir zum Circus Maximus, oder besser gesagt, dem sich an seiner Stelle befindenden Parco del Circo Massimo. Mit Pflanzen und Beeten werden die Umrisse des Antiken Stadions angedeutet.

Circus Maximus

Via del Circo massimo, Metro Linea B, Stazione Circo massimo, Bus 81, 160, 628, 715

Rom hatte vier Zirkusanlagen, um nur die wichtigsten zu nennen: den Circus Maximus als älteste solcher Anlagen, der jedoch erst mit dem Jahre 329 v. Chr. sein eigentliches Aussehen erhielt durch den Bau der carceres, der Stallungen, dem dann allmählich die architektonische Entwicklung der Anlage folgte. Im Jahre 221 v. Chr. wurde der Circus E'laminius gebaut, im ersten nachchristlichen Jahrhundert der des Caligula und Nero und schließlich der des Maxentius an der Via Appia.

Die Zirkusanlagen hatten eine lange, schmale Rennbahn, die in der Mitte durch die sogenannte spina geteilt wurde, einen schmalen Streifen, der mit Statuen, Obelisken usw. geschmückt war. Die Zuschauersitze befanden sich an den Längsseiten und einer der halbrunden Schmalseiten; die zweite Schmalseite nahmen die Stallungen ein, die von zwei Türmen flankiert wurden.

Der Circus Maximus war der berühmteste und größte dieser Anlagen. Er konnte eine Zuschauermenge von mehr als 250.000 Menschen fassen. Die Spina trug zwei große Obelisken, die sich heute auf der Piazza deI Popolo und auf der Piazza San Giovanni in Laterano befinden. Der Circus Maximus war 600 m lang und 200 m breit. Die Außenfront war dreigeschossig mit marmorverkleideten Arkaden. Unter den Arkaden im Erdgeschoss befanden sich Tavernen, Läden etc. Das Innere versetzte den Besucher durch seine Pracht in Sprachlosigkeit. Der erste Rang der cavea, der Sitzreihen, war aus Stein, die oberen Ränge aus Holz. Im Halbrund befand sich der Eingang in Form eines Triumphbogens mit drei Durchgängen. Kaiser Domitian hatte ihn im Jahre 81 n. Chr. zu Ehren des Titus errichten lassen. Auf der gegenüberliegenden Seite befanden sich die carceres, die Ställe, von wo aus das Startsignal ertönte.

Die Spina war 214 m lang, und jeder Wagen mußte sie siebenmal umlaufen, was einer Länge von 1.600 m entspricht. An den Enden der Spina befanden sich die metae, die Startplätze, sowie sieben Bronzeeier und sieben bronzene Delphine. Auf der Spina standen ein kleiner Tempel für den Gott Consus und die Göttin Pollentia und andere Götterstandbilder, die für den Sport zuständig waren, sowie die beiden schon erwähnten Obelisken. Zur Zeit von Cäsar und Augustus fanden hier auch Spiele mit Elefanten statt, und zu diesem Anlaß ließ Cäsar nicht nur den Circus selbst erweitern, sondern auch einen die Piste umlaufenden Wassergraben zum Schutz der Zuschauer bauen.

Den zahlreichen Überlieferungen, die uns erhalten geblieben sind, ist zu entnehmen, daß der Circus Maximus ungefähr 240 Tage im Jahr in Betrieb war, so groß war die Zahl der Feiertage oder der von den Römern gefundenen Vorwände, um Pferderennen in allen nur möglichen Variationen stattfinden zu lassen. So mußten die Wagenlenker denn auch nicht nur gute Reiter sein, sondern auch fähig, an anderen Spielen teilzunehmen, wie Balanceakten, dem Sprung auf ein anderes Pferd, an bigae, einem Rennen mit zwei vorgespannten Pferden, oder sie mußten im vollen Galopp ein Kleidungsstück von der Piste aufraffen, oder im Stehen lenken usw. Man dachte sich jedes nur mögliche Mittel aus, um die Rennen schwieriger und spannender zu machen. Wir wissen, daß z. B. unter Augustus 12 Rennen pro Tag stattfanden; unter Caligula wurden es 34 täglich, unter den Flaviern ,100. Alle Römer und auch alle Besucher Roms besuchten den Circus. Es war ein Treffpunkt für das gesellschaftliche Leben, selbst für den Kaiser. Diese Rennen im Circus wurden so populär, daß sie eines der vorherrschenden Motive der figurativen Kunst Roms bildeten. Mosaiken, Basisreliefs, Statuen, ja sogar Sarkophage zeigten Abbildungen der Spiele, sowohl als Gesamtdarstellungen wie in der Darstellung einzelner Szenen und Persönlichkeiten. Tüchtige Jockeys wurden mit Gold aufgewogen. Auch wenn sie von einfachem Herkommen waren, konnten sie Ruhm und Reichtum erringen. In kürzester Zeit, höchstens in sechs oder sieben Jahren, erwarben sie sich außerordentliche Vermögen; ein gewisser Diocles setzte sich, nachdem er 3000 zweispännige und 1450 vierspännige Rennen gewonnen hatte, mit der erstaunlichen Summe von 35.000.000 Sesterzen zur Ruhe, nach heutiger Währung ein Betrag von mehreren Millionen. Man sollte jedoch nicht vergessen, daß der Ruhm dieser Jockeys nicht nur von ihrer physischen Leistung herrührte, sondern auch von den Risiken, die sie eingingen. In der Tat starb ein Großteil von ihnen in der Blüte ihrer Jahre. Die Pferde wurden ganz besonders gepflegt und ernährt, sie hatten alle ihr pedigree, und ihre Ehrenurkunde. Ihre Popularität war so groß, daß sie bis in die fernsten Winkel des Imperiums drang: in Afrika wurde ein Mosaik entdeckt, das uns den schönsten Beweis der Liebe zu diesen schönen Tieren liefert: "Ob du gewinnst oder nicht, wir lieben dich. Polidoxus".

Oberhalb des Parco del Circo Massimo liegt die Piazzale Romolo e Remo. Von hier aus hat man einen grandiosen Blick über den Circus maximus und die dahinter liegenden Ruinen des Palatin.

Circus Maximus

Wir folgen der Via di Vale Murcia, die in die Via di Santa Sabina übergeht bis zur Kirche Santa Sabina.

Santa Sabina

Piazza Pietro d´Illaria 1, Metro Linea B, Stazione Circo massimo, Bus 23, 280, 716, Mo-So 06:30-12:45 15:30-19:00, Tel: 06- 57 94 66 00

Der Name Santa Sabina rührt nicht von der Heiligen Sabina aus Umbrien, sondern von dem Grundstück der reichen Römerin Sabina, auf dem die Kirche 422 bis 432 von dem Priester Petrus von Illyrien errichtet wurde. Papst Eugen II (824-837) ließ die Kirche erneuern und umbauen, Papst Honorius III (1216-117) schließlich schenkte die Kirche dem heiligen Dominikus, dem Gründer des Dominikanerordens und ließ den Kampanile und den Kreuzgang erbauen. Die Veränderungen des 16. Und 17. Jahrhunderts konnten glücklicherweise weitgehend rückgängig gemacht werden.

In der Vorhalle zahlreiche antike Sarkophage. Die Holztür des Mittelportales zeigt auf 18 gut erhaltenen Bildern die ersten christlichen Holzschnitzereien aus dem 5. Jahrhundert. Im linken Türflügel sehen wir oben beginnend: die Kreuzigung; Heilung des Blinden; Brotvermehrung; Hochzeit zu Kanaa; Christus erscheint den Jüngern; Moses empfängt die Gebote; Christus vor Pilatus; Frauen am Grab Christi; Szenen aus dem Leben Mose; Christus erscheint den Frauen; Zacharias verstummt im Tempel.

Im rechten Türflügel: die Heiligen drei Könige; Himmelfahrt Christi; Verleugnung Christi durch Petrus; Durchzug durchs Rote Meer; die eiserne Schlange; Christus mit den Aposteln Petrus und Paulus; Triumph Christi und der Kirche; Prophet Habakuk; Himmelfahrt des Elias; Moses vor dem Pharao.

Im Innern ist die Kirche betont schlicht und streng gehalten und erinnert so an das Wesen der frühchristlichen Gotteshäuser. Korinthische Säulen teilen das Innere in drei Schiffe. Die Fenster des Mittelschiffes haben Scheiben aus Selenit, einem durchscheinenden Gips. Im Mittelschiff befindet sich auch der mosaik verzierte Grabstein des Dominikaners Monoz de Zamora, dahinter die Schola cantorum sowie der wiederaufgebaute Bischofsstuhl. Das Apsisfresko hat Taddeo Zuccari 1560 einem verlorengegangenen Mosaik nachempfunden.

Sehenswert ist auch der aus dem 13. Jahrhundert stammende Kreuzgang des zugehörigen Dominikanerklosters.

Santa Sabina

Piazza dei Cavalieri di Malta

Die Via di Santa Sabina führt weiter bis zur Piazza die Cavalieri di Malta. Hier befindet sich das Portal der Villa del Priorato di Malta (Malteserorden). Das Portal hat das berühmteste Schlüsselloch Roms. Schaut man hindurch, so blickt man am Ende eines langen baumbestandenen Ganges direkt auf die Kuppel der Peterskirche.

Piazza dei Cavalieri di Malta

Über die Via d San Alessio, die Piazza Albania und die Via San Saba gelangen wir schließlich zur Kirche San Saba.

San Saba

Hier stand einst Haus und Oratorium der heiligen Silvia, der Mutter Papst Gregor des Großen (590-604). Die im 7. Jahrhundert erbaute Kirche ist dem Abt Sabas, dem Begründer des Palästinensischen Mönchsordens geweiht. Beachtenswert ist die Kosmatenarbeit des Mittelportales (um 1200), ebenso die Reste der Schola cantorium.

San Saba

Zurück über die Via San Saba und die Viale Aventino gelangen wir zur Piazza di Porta Capena, dem Ausgangspunkt des Ausfluges zur Via Appia Antica, oder wir erreichen hier die Stazione Circo massimo der Metro Linea B.


 
Texte & Photos: Dr. Michael Spiegel - Impressum
URL: http://www.rom-spiegel.de/rundgang-10.php
Reise und Urlaub