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Piazza della Bocca della Verita

Wir beginnen unseren Rundgang an der - ganz im Gegensatz zum Aventin - sehr quirligen Piazza della Bocca della Verita, nahe dem Antiken Forum Boarium. Auf der Mitte der Piazza steht der barocke 1715 von Carlo Francesco Bizzaccheri geschaffene Brunnen, dessen Tritonen später von Francesco Moratta ergänzt wurden.

Auf dem Forum Boarium stehen zwei gute erhaltene Tempelbauten. Der Rundtempel wird fälschlicherweise als Vestatempel bezeichnet, da man ihn anfänglich mit dem Vestatempel auf dem Forum Romanum verwechselte. Die Inschrift kennzeichnet ihn jedoch als Tempel des Hercules Invictus. Die von 20 korinthischen Säulen umgebene Cella diente im Mittelalter zeitweise als Kirche, weshalb das Gebäude so gut erhalten ist. Daneben steht der ca. 100 v. Chr. Entstandene Tempel der Fortuna Virile, das wohl am besten erhaltene Bauwerk aus republikanischer Zeit. Auch dieser Tempel trägt einen falschen Namen, er war eigentlich dem Flußgott Portunus geweiht. Baugeschichtlich verschmelzen bei diesem Tempel der etruskische und der griechisch ionische Stil. Die Cella des Tempels ist nicht komplett von einem Säulengang umgeben. An der Seite sind die immer noch vorhandenen Säulen in die Wand integriert. Der Tempel ist also ein Pseudoperipteros. Auch fehlt der typisch ionische Stufenaufgang auf allen Seiten, was eindeutig die etruskischen Einflüsse zeigt. Auch dieser Tempel verdankt seine gute Erhaltung der zeitweiligen Nutzung als Kirche, Papst Johannes VIII (872-882) weihte ihn zur Kirche Santa Maria Egiziaca.

Die dem Tiber abgewandte Seite des Platzes wird von dem Arco di Giano, dem Janusbogen begrenzt. In der Antike stand der Bogen auf einer belebten Kreuzung. Die vier Bogen des quadratischen Bogens öffnen sich demnach auch nach den vier Richtungen, aus denen die Straßen hier zusammentrafen. In der Fassade befinden sich zahlreiche Nischen, in denen Statuen standen, über den vier Arkaden die Bildnisse der Göttinnen Roma, Iuno, Minerva und Ceres.

Hinter dem Janusbogen steht die Kirche S. Giorgio in Velabro, an dem Ort des einst sumpfigen Tiberufer, an dem der Hirte Faustulus die ausgesetzten Zwillinge Romolus und Remus gefunden haben soll. Der Name der Kirche erinnert an das Velabrum majus, ein lebhaftes Viertel mit vornehmlich Lebensmittelgeschäften. Die jetzige aus dem 9. Jahrhundert stammende Kirche steht an der Stelle der ersten hier bereits im 7. Jahrhundert errichteten Kirche. Beim Bau der Kirche wurden Materialien der umliegenden antiken Bauwerke verwendet. In die Vorhalle wurde der 204 n. Chr. zu Ehren des Kaisers Septimus Severus errichtete Arcus degli Argentari, der Geldwechslerbogen, einbezogen.


 
Texte & Photos: Dr. Michael Spiegel - Impressum
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