Colosseum
Piazza del Colosseo, Metro Linea B, Stazione Colosseo, Bus 75, 81, 85, 87, 117, 175, 673, 810, Tram 3, Mo-So 09:00-eine Stunde vor Sonnenuntergang, Tel: 06-39 96 77 00
Das Amphitheatrium Flavium (so lautete eigentlich der Name des Colosseums) wurde im Jahre 12 n. Chr. unter Vespasian begonnen und von Kaiser Titus im Jahre 80 eingeweiht. Die Einweihung wurde mit hundert Feiertagen sehr festlich begangen. Der antike Schriftsteller Dion Cassius berichtet, daß während dieser Feiertage 9000 wilde Tiere und ca. 2000 Gladiatoren ihr Leben ließen.
Das Amphitheater wurde allerdings erst unter Kaiser Domitian fertig. Es war viergeschossig. Die ersten drei Geschosse waren durch Bögen mit Halbsäulen im dorischen, ionischen und korinthischen Stil verschönt. Das vierte Geschoß trug keine Bögen, sondern rechteckige Fenster und war mit Pilastern mit korinthischen Kapitellen verziert. Das erste Geschoß ist 10,50 m hoch und die dorischen Bögen haben eine Höhe von 7,10 m und eine Breite von 4,30 m. Das zweite Geschoß im ionischen Stil ist 11,85 hoch und die Bögen messen 6,40 m in der Höhe und 4,30 m in der Breite. Der dritte Rang im korinthischen Stil ist 11,60 m hoch, seine Bögen sind 6,40 m hoch und 4,30 m breit. Die korinthischen Pilaster im obersten Geschoß
haben einschließlich der Sockel eine Höhe von 13,90 m.
Zu jedem der drei Geschosse mit Bögen gab es achtzig Zugänge, im ersten Geschoß waren sie numeriert, mit Ausnahme derjenigen, die an der größten und kleinsten Achse lagen. Erstere bildeten die Haupteingänge zur Arena, die letzteren dienten als Eingang für die kaiserliche Familie. Die Numerierung diente dazu, dem Besucher den für ihn bequemsten Eingang zu seiner Stufenreihe anzuzeigen. Die unterschiedlich gelegenen Stufenreihen entsprachen jeweils dem sozialen Rang des Zuschauers.
Der größte Teil der Fassade wie auch des Innenraums des Amphitheaters besteht aus Travertin. Die großen Blöcke wurden nicht mit Mörtel, sondern durch Metallstifte zusammengehalten. Die Arena des Amphitheaters war 79 m lang und 46 m breit. Rund um die Arena war ein Gitter zum Schutz der Zuschauer gezogen. Der Fußboden der Arena, der aus Holzplatten bestand, war mit Sand bedeckt, daher der lateinische Name Arena.
An den Längsseiten der Arena befanden sich zwei Eingänge; der südöstliche war die Porta Libitinaria (von Libitina, der Göttin der Begräbniszeremonien) durch welche die im Kampf umgekommenen Gladiatoren wie die getöteten Tiere abtransportiert wurden. Das andere war das Eingangstor für die aufmarschierenden Gladiatoren, die vor Beginn des Kampfes erst ihre Runde vor Kaiser und Publikum drehten: Ave Caesar, morituri te salutant! (Heil Cäsar, die Todesbereiten grüßen Dich!).
Die unterirdischen Gewölbe der Arena dienten für alles, was für die Spiele notwendig war. In den Käfigen waren die für das Spiel bestimmten wilden Tiere eingeschlossen; es gab mechanische Aufzüge, welche die Tiere in die Arena beförderten. Weiter sind fünf Kryptoportiken (gedeckte Galerien oder Korridore) zu nennen. Einer von ihnen war mit Stuckverzierungen und Mosaiken versehen, die Seitenwände waren bemalt. Wahrscheinlich ließ ihn Kaiser Commodus bauen, um auf diese Weise direkt ins Amphitheater zu gelangen.
Die Cavea, die Sitzreihen für das Publikum, erhoben sich auf einem Sockel. In der Mitte der Querachse, also an den Längsseiten der Elipse, befanden sich die Pulvinarien, die Ehrenlogen, an der Südostseite die für die kaiserliche Familie, an der gegenüberliegenden Seite die für die wichtigsten Würdenträger sowie für die Vestalinnen. Die Pulvinarien lagen übrigens an den beiden Haupteingängen.
Der Zugang zu ihnen erfolgte durch zwei Räume in der Art eines Salons, mit achtzehn Pilastern aus Travertin und Stuck verzierten Gewölben. Auf dem Sockel befanden sich sieben, Stufenreihen und zwölf Zugänge, Vomitoria genannt. über diesem ersten Ring lag eine weitere Reihe mit zwölf Stufen, die ein 3,50 m breiter durchlaufender Korridor, abschloß. Diese Breite läßt sich durch die vierzig lukenartigen Öffnungen erklären, die den unteren Portikus, das Ambulatorium beleuchteten. Diese Sitzreihe hatte 14 Zugänge und war für die vierzehn Ritterorden bestimmt.
Es folgte eine Reihe von 19 Stufen, die ebenfalls von einer Brustwehr und einem Umgang abgeschlossen wurde. Diese Stufenreihe hatte 32 Zugänge oder Vomitoria, und da sie sehr hoch war, hatte sie im Hintergrund 28 Fenster, durch die der dahinter liegende Gang Licht erhielt. Zwischen den Fenstern befanden sich 36 Nischen mit Statuen. Darauf folgte das Obergeschoß, der letzte Rang, der aus sieben hölzernen Stufenreihen bestand, Die Brustwehr diente als Basis für einen Portikus von 80 Säulen, Unter diesem war der Umgang mit 12 Zugängen. Aus diesen Ausführungen läßt sich die Zuschauermenge errechnen, die das Amphitheater fassen konnte: sie muß bei 50,000 gelegen haben.
Zum Abschluß dieser allgemeinen Beschreibung soll noch das Velarium erwähnt werden. Es war dies ein Segeltuch zum Schutz der Zuschauer vor der brennenden Sonne. Es wurde auf der Terrasse über dem Portikus hochgezogen. Diese Aufgabe oblag den Matrosen der kaiserlichen Flotte vom Kap Misenum (nahe Napoli).
Nur im Raffen und Aufziehen von Segeln sehr erfahrene Matrosen waren in der Lage, eine solche umständliche und komplizierte Operation auszuführen. Das verlangte eine umsichtige Ausbildung, denn nicht nur das Ausmessen und Plazieren der Einzelteile des Velariums und die Bedienung der Maschinerie, sondern auch die richtige Verteilung der Arbeitskräfte und der ihnen zugeordneten Aufgaben sowie die Zeiteinteilung verlangten größtmögliche Präzision. Eine Truppe von 100 Matrosen vom Kap Misenum, die in einer dem Amphitheater nahegelegenen Kaserne untergebracht waren, wurde allein Zur Instandhaltung des Velariums gebraucht. Für die Montage dagegen brauchte man noch einmal mehr als 1000 Mann, die mit Schiffen zweimal jährlich bis zur Tibermündung oder den Fluß herauf bis in die Stadt kamen.
Denkt man an all diese erforderlichen Arbeiten, an das riesige Ausmaß der Velarium Fläche, an das enorme Gewicht der Seile und der Segeltuch Planen, an die statistischen und dynamischen Probleme, die sich durch Spannung und Resistenz ergaben, so läßt sich daraus folgern, daß das Aufziehen des Velariums eine größere Aufgabe darstellte als die Errichtung eines Obelisken.
Auch die Wirkung des Windes, der durch das Oberlicht wie auch durch die obere Kante des Velariums dringen konnte, war einkalkuliert; dennoch muß, wie uns antike Geschichtsquellen berichten, das Geräusch des Windes im Zusammenklang mit dem Brüllen der Tiere und dem emphatischen Geschrei der Zuschauer einen unbeschreiblichen Krach gemacht haben.
Nach der Betrachtung all dieser Details müssen wir uns fragen, wie wohl der Mann geheißen haben mag, der dieses gewaltige Kolosseum plante. Es ist seltsam, daß es für ein so großes architektonisches Meisterwerk, das von Anfang an für eine Art Weltwunder gehalten wurde, keinen Hinweis auf den Architekten gibt, auch nicht bei den antiken Schriftstellern, nicht einmal bei Martial, dem Geschichtsschreiber der Flavischen Kaiser. Um sich eine Vorstellung von den Hindernissen machen zu können, die beim Bau des Amphitheaters zu überwinden waren, soll nur an das verwendete Material erinnert werden, das größtenteils aus Travertin-Blöcken bestand, die aus den Steinbrüchen bei Tivoli zur Baustelle transportiert werden mußten.
Beim Bau fanden ungefähr 100.000 Kubikmeter davon Verwendung. Es mußten also wenigstens fünfzigtausend Wagen voll im Lauf der vier Jahre, die, wie man annimmt, zum Bau der Pilaster und dem Gerüst des Kolosseums selbst nötig waren, herbeigeschafft werden. Man rechnet, daß für diesen Transport ungefähr 200 Wagen und 400 Zugtiere, meist Ochsen, nötig waren. Während dieser vier Jahre sah die Via Tiburtina täglich ein Drittel dieser beladenen Ochsenkarren aus den römischen Steinbrüchen kommen, ein Drittel leerer Wagen, die zu den Steinbrüchen fuhren und ein Drittel haltender Wagen, die auf ihr Beladen warteten. Ferner ist zu bedenken, daß die Blöcke für die Basis der Pfeiler des Kolosseums jeweils zwei Kubikmeter maßen und fünf Tonnen wogen.
Es gab zwei Arten von Spielen im Amphitheater: Gladiatoren-Wettkämpfe und Venationes, Jagd auf wilde Tiere. Die "venationes " fanden am Morgen statt, die Gladiatorenkämpfe am Nachmittag. Domitian, Trajan, Hadrian, sie alle liebten diese Spiele sehr und nahmen an ihnen oft persönlich teil. Hadrian z.B. stieg in die Arena hinunter und brachte es fertig, einen Löwen mit eigener Hand zu erlegen. Um seinen Sieg über die Daker zu feiern, ließ Trajan 11.000 wilde Tiere und 10.000 Gladiatoren kämpfen. Antoninus Pius brachte Tiger, Elefanten, Krokodile, Nilpferde sowie an einem Tag 100 Löwen in die Arena.
Die großartigsten Spiele fanden jedoch unter dem Kaiser Commodus statt. Man nimmt an, daß er selbst wahrscheinlich eher von einem Gladiatoren abstammte als von seinem legitimen Vater Mark Aurel, und daß das Gladiatorenblut seine Natur bestimmte. Er besuchte auch die Gladiatorenschule, die ludus gladiatorae und brüstete sich damit, tausend seiner Kameraden besiegt zu haben.
Die Spiele fanden an festen Daten sowie zu außergewöhnlichen Anlässen statt. Die festen Daten waren die Geburtstage der Kaiser und Jahrestage geschichtlicher Ereignisse. Sonst wurden die Spiele aus Anlaß eines Sieges oder Triumphes gegeben. Aber auch aus Anlaß eines Begräbnisses fanden Spiele statt.
Anschläge (edictus) informierten zu gegebener Zeit das Volk über die Abfolge der Spiele sowie ihren Anlaß. Auch wurden Tag und Anfangszeit bekanntgegeben.
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